Blauäugig in Tokio: Meine verrückten Jahre bei Mitsubishi
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(14 Kundenrezensionen)
Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #354613 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2006-08-01
- Einband: Taschenbuch
- 296 Seiten
Kundenrezensionen
Hilfreichste Kundenrezensionen
24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Amüsant, humorvoll und leichtfüßig...
Von isy3
... kommt Niall Murtagh daher mit seiner persönlichen Japan-Kritik. Der gebürtige Ire ist von Natur aus eigentlich Weltenbummler und doch war er jahrelang "Salaryman" bei Mitsubishi. Das Leben eines Büroangestellten in Japan ist so ziemlich das Gegenteil von Weltenbummelei - der Kontrast könnte größer nicht sein. Doch Niall Murtagh hat das Angestelltendasein aus Liebe zu Japan und seiner Frau dreizehn Jahre lang ausgehalten. Er weiß also genau, wovon er schreibt.
Wenn Sie "Darum nerven die Japaner" mochten, werden Sie auch dieses Buch lieben, wobei es zusätzlich reizvoll ist, wie unterschiedlich zwei Autoren über das gleiche Thema schreiben. Beide stört oft genau dasselbe an den japanischen Gepflogenheiten. Doch wo der Deutsche laut polternd und geradeheraus anprangert, was ihm nicht gefällt, bringt der Ire mit feingeschliffenem etwas hintergründigem Witz seine Kritik an, weil er möglichst niemanden direkt verletzen will.
Jeder Japan-Fan und Geschäftsmann kann aus Murtaghs wunderbarem Buch lernen, wie es in japanischen Großkonzernen zugeht. Wobei die Lektüre eine Menge liebenswerte und auch unfreiwillig komische Details aus dem japanischen Arbeitsalltag bereithält. Der Kern des so amüsant und scheinbar leichtfüßig daherkommenden Buches ist jedoch ernst und enthält folgende tiefe Wahrheit, die für sämtliche Konzerne der Welt gilt:
Konzerne sind nichts für idealistische Kreative, die etwas Sinnvolles leisten und wirklich etwas bewegen wollen.
Die vermeintliche Sicherheit, den Job lebenslang zu behalten, muß mit einem Verlust der Freiheit und Eigenständigkeit bezahlt werden. Der Angestellte vergeudet kostbare Lebenszeit mit ständig wuchernden Verwaltungstätigkeiten, die hauptsächlich seiner eigenen Überwachung durch die Firma dienen. Der lebenslang Angestellte muß sich auch versetzen lassen und umziehen, wann immer es dem Arbeitgeber paßt, wobei der Zweijahresrhythmus von Mitsubishi noch relativ großzügig erscheint. Jeder Büroraum und Quadratzentimeter Platz auf dem Schreibtisch wird streng rationiert. Gute Ideen der Angestellten bleiben im Hierarchiegeflecht stecken, während unterwürfige, rückgratlose Schleimer aufsteigen.
Hochinteressant und aktuell ist auch gerade wieder das Geschäftsverhalten von Mitsubishi und anderen Großkonzernen, wie auch Siemens, worüber in diesem Buch ebenfalls berichtet wird: Man pflegt die gewachsenen Bezieheungen, ähnlich wie alte Herrscherclans es früher taten, und es finden heimliche Absprachen statt. Mitsubishi und Siemens sind nur einige Konzernnamen, die in jüngster Vergangenheit wieder im Zusammenhang mit Wettbewerbsverzerrung durch Preisabsprachen in der Presse standen.
In einem traditionsbewußten und dicht besiedelten Land wie Japan ist die Reglementierung des Lebens ganz besonders ausgeprägt und geht an vielen Stellen in einengende Bevormundung über. Niall Murtagh rechtfertigt sich zwischendurch immer wieder selbst, wie er als freiheitsliebender Weltenbummler so etwas insgesamt dreizehn Jahre lang aushalten konnte. Aber am Ende hat er uns dafür ein wunderbares Buch über seine Zeit als "Salaryman" in einem japanischen Großkonzern hinterlassen.
Ein Buch für Japan-Fans, das sich auch prima als Managergeschenk eignet.
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Amüsante Einblicke in den Arbeitsalltag in Japan
Von Rolf Dobelli
Eigentlich passt er überhaupt nicht in ein japanisches Unternehmen: Der Ire Niall Murtagh hat nach seiner Schulzeit die halbe Welt bereist, in Bangladesh in einem Flüchtlingslager gearbeitet, mit einer Betonjacht und zwei verrückten Franzosen den Atlantik besegelt und ist in billigen Zügen durch China gegondelt. Schließlich landet er in Japan, lernt die Sprache, promoviert an einer Elite-Universität und findet einen Job als Programmierer bei Mitsubishi. Der Kulturunterschied fasziniert ihn: Er, der alles locker sieht und sich möglichst unangepasst gibt, landet in einem gänzlich verkrampften, kleinlichen Großunternehmen, in dem er selbst über seine Teepausen Buch führen muss. In seinem Bericht erzählt er nicht nur vom Arbeitsalltag, sondern auch von der beengenden Wohnsituation in Tokios Vororten und dem alltäglichen Wahnsinn in der U-Bahn. Murtagh gibt seinen Lesern tiefe Einblicke in die japanische Seele und bedient sich dabei eines nüchternen Humors, der manche seiner Erlebnisse noch grotesker erscheinen lässt. Nach der Lektüre müssen einem die Japaner genauso seltsam, fremd und komisch vorkommen wie wir Ausländer ihnen. Den Alltag in Nippon so unterhaltsam präsentiert zu bekommen, lohnt sich, weshalb wir dieses Buch jedem Japan-Interessierten ans Herz legen.
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
ganz nett, aber teilweise überaltert
Von Rubly, Stefan
Das Buch zeigt auf eine sehr interessante Art und Weise, wie sich ein europäischer Ausländer in Japan in einen großen Betrieb einfügt (mitsubishi). Man merkt aber ganz klar, dass es sich nicht um einen deutschen, sondern um einen (meiner Meinung nach rechta merikanisch geprägten) Iren handelt. Manche Dinge, z.B. die Aufforderung nicht mit den Händen in den Hosentaschen durch das unternehemen zu laufen, kommen mir auch aus Deutschland sehr bekannt vor. Zudem sind einige der Informationen und Zustände heute nicht mehr aktuell, so existiert die lebenslange garantierte Beschäftigung so heute nicht mehr. Auch werden auch in Japan heutzutage Schienenpläne der Bahn und Hinweisschilder zusätzlich in Englisch ausgeschildert.
ABer insgesamt ist das Buch recht lesenswert und gibt Einsichten und Tipps über die obligatorischen Punkte, wie vor dem Baden erst Duschen oder in einer Wohnung die SChuhe ausziehen wesentlich hinaus. Allein die Tatsache, dass es nicht von einem in einem ausländischen Unternehmen in Japan beschäftigten Ausländers, sondern von einem in einem japanischen Unternehemen beschäftigten und mit einer japanischen Frau verheirateten Menschen ausgeht, ist mal eine erfrischend andere Perspektive.



