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Schlepping durch die Alpen: Ein etwas anderes Reisebuch

Schlepping durch die Alpen: Ein etwas anderes Reisebuch
Von Sam Apple

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Durchschnittliche Kundenbewertung:
(14 Kundenrezensionen)

Produktinformation

  • Amazon-Verkaufsrang: #164649 in Bücher
  • Veröffentlicht am: 2009-10-05
  • Einband: Taschenbuch
  • 320 Seiten


Kundenrezensionen

Hilfreichste Kundenrezensionen

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
5Ein etwas anderes Reisetagebuch
Von Thorsten Wiedau
625 Schafe und ein Wanderschäfer in Österreich, das wäre nichts Besonderes, wenn denn der Schäfer nicht den Schafen jiddische Lieder vorsingen würde. Dieser Umstand macht die ganze Sache sehr schräg und geheimnisvoll, insbesondere in einem Land wie Österreich mit seiner Vergangenheit. Der Autor Sam Apple zeigt uns mit seinem etwas anderen Reisetagebuch SCHLEPPING DURCH DIE ALPEN ein Österreich, welches wir so gar nicht kennen.


Haben sie in Judenburg schon einmal die Einwohner nach dem Ursprung dieses Namens gefragt? Sie wären erstaunt über die inkonsequenten und unkorrekten Aussagen. Auch ein Wanderschäfer mit jiddischem Liedgut trägt in Österreich wohl nicht gerade zur Erheiterung der Massen bei. Ein amerikanischer Journalist möchte hautnah erfahren wie es ist durch Österreich zu wandern und Schafe zu hüten, also knüpft er Kontakte und lässt sich für ein paar Wochen als Hilfsschäfer anheuern. Herausgekommen ist eine urkomische aber teils auch traurige Reise durch ein Land das so gar nicht zu seiner Historie steht und einiges gerne weggekehrt hätte.

Trotzdem sehr lustig und mit viel Tiefgang versteht es der Roman SCHLEPPING DURCH DIE ALPEN den Leser zu begeistern für ein bisschen schräge Komik, ein wenig Tiefgang und ein die Freiheit unter dem Sternenhimmel der Nacht.

Der Roman fühlt sich für mich wie niedergeschriebene Klezmer Musik an, große Gefühle, tiefes Leid und eine Freude, welche kein Ende kennt. Hans der Wanderschäfer und der junge amerikanische Journalist werden schnell Freunde und entdecken beide ein wenig von dem was sie sind und woher sie kommen.

Voller Freude und tiefer Einsicht in die Notwendigkeiten der Geschichte und des eigenen Lebens. Ein Roman wie man ihn nur selten zu Gesicht bekommt.

Sehr Empfehlenswert!

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
4Vereint Reisebuch, Tatsachenbericht und Selbstfindungsroman zugleich.
Von Literaturtipp.com
Durch Zufall landet Sam Apple, New Yorker Journalist, Mitte 20, bei dem Vortrag eines österreichischen Wanderschäfers, "dem letzten seiner Art". Dieser Mann mit seinem breitkrempigen Hut, der sowohl seinen Schafen in Österreich wie auch dem erstaunten Publikum im jüdischen Kulturzentrum selbstbewusst jiddische Lieder vorträgt und dabei seine Einsichten über das Leben zum Besten gibt, fasziniert den jungen Journalisten. Nur kurze Zeit später befindet sich Sam Apple bereits genau dort, wo die Erzählungen des Wanderschäfers in New York aufhörten: in den österreichischen Alpen, inmitten einer riesigen Schafherde, über sich den blauen Himmel Österreichs, unter sich den stinkenden Schafmist. Der, wie wir nun wissen, "neben den herzerfrischenden Köteln der Ziege und den gedeihlichen runden Fladen des Rindes" mit seinem breiigen Grünbraun, "eine herbe Enttäuschung" darstellt.

Es sind jedoch nicht nur die Besonderheiten der Schafe, die Sam Apple in seinem Reisebericht "Schlepping durch die Alpen" beschreibt. Interessanter dürfte seine Sicht auf Österreich sein, dessen Sitten und Gebräuche der Gegenwart sowie dessen politische Vergangenheit nach Anschluss an Hitlerdeutschland während des Zweiten Weltkrieges. Fremdwahrnehmung interessiert immer, und wenn wir von Sam Apples unbeholfenen Bemühungen lesen, von einem großen Laib Brot per Hand eine Scheibe abzuschneiden - wo es doch in New York nur Schnittbrot gäbe - amüsiert uns das sehr. Seine Darstellung der Grausamkeiten, welche die österreichischen Juden nach der Annexion erleiden mussten, ist dafür umso schockierender.

Genau das jedoch ist das Hauptthema dieses nur auf den ersten Blick komischen Reisebuches von Sam Apple. Subtil drängt sich immer wieder das eigentliche Thema von "Schlepping durch die Alpen" in den Vordergrund: das Verhältnis von Österreichern zu Juden und umgekehrt, das Verhältnis des jüdischen Journalisten Sam Apple zu den Österreichern. Dabei zählt er sowohl die Gräueltaten gegen Juden ab 1938 auf, die Amnestien, die Kriegsverbrechern schon wenige Jahre nach ihren Verbrechen gewährt wurden, sowie die gegenwärtige deutschnationale Politik von Jörg Haider. Sam Apple, der als Hypochonder stets in der Angst lebt, unheilbaren Krankheiten zum Opfer zu fallen, der sich vor gerahmten Bildern fürchtet und noch mehr vor festen Beziehungen, Sam Apple sieht in Österreich ein Land voller Antisemiten. Und selbst als er sich in die österreichische Katholiken Ilona verliebt, bleibt sein Gefühl diesem Land gegenüber äußerst skeptisch. In den USA sorgte das hierzulande von Monika Schmalz aus dem Amerikanischen übersetzte Werk für große Zustimmung. Die zum Teil naiven und einseitigen Beschreibungen des sich im "alten Europa" befindlichen Österreich stoßen bei einem deutschsprachigen Publikum dafür wohl eher auf Distanz denn auf Zustimmung.

Lesenswert ist Sam Apples Debütwerk, das mit zahlreichen Schwarzweißfotos der Reise durch die österreichischen Berge illustriert ist, jedoch allemal. "Schlepping durch die Alpen" vereint Reisebuch, Tatsachenbericht und Selbstfindungsroman zugleich, ist von Thematik und Stil erfrischend ungewöhnlich und lädt ein, es dem Autor gleichzutun: In die Stiefel zu steigen und eine Reise zu wagen, die in ferne Gebiete und nicht zuletzt zu sich selbst führt.

14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
2verfehlte Form
Von Beate
Das Buch wurde sowohl als komisch, als auch als politisch relevant empfohlen und ist überwiegend als Dokumentation angelegt. Der Autor ist ein junger jüdischer Journalist, der in New York Hans kennenlernt, einen Halbjuden und letzten Wanderschäfer Österreichs, der sein Geld außer mit Schafehüten mit der Darbietung jiddischer Lieder verdient, die er geradezu besessen sammelt. Neugierig geworden durch die Klagen von Hans, dass in Österreich mit Haider wieder die Nazis am Ruder seien, reist der Autor nach Österreich um sich selbst ein Bild zu machen. Nur mäßig komisch, wenn auch nicht übermäßig lang, sind die Kapitel, in denen der hypochondrische Autor mit dem reichlich schmutzigen Job seines Gastgebers Hans in Berührung kommt. Komischer sind die Kapitel, in denen er mit einem Diktaphon bewaffnet den ultimativen Antisemiten sucht, aber nur die übliche menschliche Beschränktheit findet, sowie seine Versuche eine Frau ins Bett zu kriegen. Dazwischen schiebt der Autor gar nicht witzige Kapitel über Hans, wie er wurde, was er ist: Ein von Neurosen und Obsessionen geplagter Außenseiter, der verzweifelt nach Halt und etwas Dauerhaftem im Leben sucht, nachdem seine Erziehung zum Kommunisten daneben ging. Diese Kapitel alleine hätten einen fabelhaften Entwicklungsroman abgegeben. Aber als Dokumentation wirkt das Buch inhomogen wie ein Gemischtwarenladen.

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