So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!: Tagebuch einer Krebserkrankung
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Produktbeschreibung
Tagebuch einer Krebserkrankung
Erscheinungsjahr: 2010
Gewicht: 237 gr / Abmessungen: 187 mm x 118 mm
Von Schlingensief, Christoph
Ich habe lernen müssen, auf dem Sofa zu liegen und nichts anderes zu tun, als Gedanken zu denken.
Wie weiterleben, wenn man von einem Moment auf den anderen aus der Lebensbahn geworfen wird, wenn der Tod plötzlich nahe rückt? Mit seinem Tagebuch einer Krebserkrankung lässt uns Christoph Schlingensief teilhaben an seiner eindringlichen Suche nach sich selbst, nach Gott, nach der Liebe zum Leben.
Im Januar 2008 wird bei dem bekannten Film-, Theater- und Opernregisseur, Aktions- und Installationskünstler Christoph Schlingensief Lungenkrebs diagnostiziert. Ein Lungenflügel wird entfernt, Chemotherapie und Bestrahlungen folgen, die Prognose ist ungewiss - ein Albtraum der Freiheitsberaubung, aus dem es kein Erwachen zu geben scheint.
Doch schon einige Tage nach der Diagnose beginnt Christoph Schlingensief zu sprechen, mit sich selbst, mit Freunden, mit seinem toten Vater, mit Gott - fast immer eingeschaltet: ein Diktiergerät, das diese Gespräche aufzeichnet. Mal wütend und trotzig, mal traurig und verzweifelt, aber immer mit berührender Poesie und Wärme umkreist er die Fragen, die ihm die Krankheit aufzwingen: Wer ist man gewesen? Was kann man noch werden? Wie weiterarbeiten, wenn das Tempo der Welt plötzlich zu schnell geworden ist? Wie lernen, sich in der Krankheit einzurichten? Wie sterben, wenn sich die Dinge zum Schlechten wenden? Und wo ist eigentlich Gott?
Dieses bewegende Protokoll einer Selbstbefragung ist ein Geschenk an uns alle, an Kranke wie Gesunde, denen allzu oft die Worte fehlen, wenn Krankheit und Tod in das Leben einbrechen. Eine Kur der Worte gegen das Verstummen - und nicht zuletzt eine Liebeserklärung
Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #10076 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2010-09-20
- Einband: Taschenbuch
- 256 Seiten
Kundenrezensionen
Hilfreichste Kundenrezensionen
101 von 108 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Wer dem Tod begegnet ist, hat das Leben verstanden
Von Ute Leser
Eine Liebeserklärung an das Leben? Eine Kriegserklärung an den Tod?
Ein Notruf an all die da oben, die tödliche Schicksalspläne schmieden?
Vielleicht auch ein verzweifelter Versuch, das Hier und Jetzt festzuhalten.
In der gleichzeitigen Tuchfühlung mit einer jenseitigen Welt.
Ein Seelenbekenntnis, das selbst den Himmel aufhorchen lässt.
Und eine Diagnose, die einen Ra(s)tlosen zum Innehalten zwingt.
Christoph Schlingensief taucht in seiner todernsten Begegnung mit seiner
bedrohlichen Krankheit in alle Seelentiefen ein.
Mal gehalten von einer unerschütterlichen Hoffnung, dann wieder fallen
gelassen von der zugeschütteten Angst, sterben zu müssen.
Mit der immer wiederkehrenden Frage:
wo bleibt der allmächtige Gott in dieser ohnmächtigen Zeit?
Und wo bitte sehr seine göttliche Gnade in diesem ungnädigen Schicksal?
Er scheint sich in Luft aufzulösen, wo man um Atem ringt.
Selbst seine himmlischen Helfer glänzen durch Abwesenheit.
Hat Schicksal überhaupt ein Gefühl für Zeit? Dafür, wann Menschen bereit sind,
zu gehen? All diese Fragen stellt sich ein Todkranker, der am Leben festhält.
Sein unvollendetes Lebenswerk erfüllt sehen möchte. Und seinen ungebrochenen
Überlebenswillen auf geballten Hoffnungshänden trägt.
Christoph Schlingensief scheint in aller Verlassenheit dennoch einen irdischen Engel
an seiner Seite zu haben. Dem dieses Buch gewidmet ist.
Ob er von Gott geschickt wurde, sei dahingestellt.
Ein Schicksal, das in aller Mutlosigkeit den Weg der Demut findet. Ja sogar neue
Lebenspläne im Angesicht des Todes schmiedet. Und jeden gelebten Augenblick
als geschenkte Ewigkeit annimmt.
Ein Buch, das Schicksal tragenden Menschen Mut macht, ihre schlaflosen Nächte
in Tagträume zu verwandeln. Jeden einzelnen Hoffnungsfaden als Anfang einer
neuen Zeitrechnung zu nehmen.
Schade nur, dass ausgerechnet Vertreter der Kirche dieses kostbare Dokument
des Lebens anzweifeln. Ja sogar als Provokation bezeichnen.
Als christliche Vorbilder sollten gerade sie begriffen haben, dass jeder Seelenschmerz
seinen Ausdruck finden muss.
Danke, lieber Christoph Schlingensief, für dieses leidgesäumte, schmerzdurchlebte,
heilsame Buch!
109 von 118 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Ein außergewöhnliches Künstlergenie!
Von Cl.Borries
Viele kennen ihn: den Aktionskünstler und Theaterregisseur Christoph Schlingensief mit seinen außergewöhnlichen Inszenierungen, bunt, zuweilen wirr, laut, explosiv und immer eindrucksvoll. Wer ihn nicht kennt, wird jetzt auf ihn aufmerksam. So kraftvoll und vital wie sein Leben bisher verlief, das manche provozierend und unangepasst erlebten, so dramatisch verläuft seine Krankheit, die ihn im Aller von 47 Jahren überfallen hat: Krebsbefall der Lunge und des Zwerchfells.
Schwere Krankheit in mittleren Jahren ist kein Einzelfall. Doch erfährt man selten, wie einer das erlebt; durch welche Höhen und Tiefen er in Hoffnung und Verzweiflung schreitet, um sich mit einem plötzlichen Fall in tiefste Todesfurcht und Angst und immer wieder Fragen um das Wie und Warum zu beschäftigen. Hier hat es einer gewagt und gekonnt: seine innerste Not zu offenbaren, sein Wüten, sein Aufbegehren und die Pein, in der er fortan nach der Eröffnung einer so unwägbaren Diagnose zu leben hat. Der Ton kommt so, wie er ihn gerade denkt, ohne lange daran herumzufeilen bis er druckreif klingt. Am schönsten bleibt die Fähigkeit, auch in der schlimmsten Malaise einmal albern zu sein,--und den Humor nicht ganz verloren zu haben!
So wie die Kreativität ihn zu überbordenden Aktivitäten genötigt hat, so überlässt er sich den Worten und Gedanken, die aus ihm hervorsprudeln, sich Bahn brechen, eine Befreiung versuchen, die doch immer wieder an den Grenzen unseres irdischen Daseins zu scheitern droht. Er bleibt unsentimental, zuweilen distanziert, spontan und immer echt.
Den Widerspruch: Scheitern und Aufbegehren hat er in Worte gefasst, die einem tief ans Herz gehen. Der Glaube gepaart mit dem Zweifel gibt die Richtung vor,--m. E. die einzige Form, sich mit Glaubensfragen auseinanderzusetzen. Schlingensief bleibt sich treu, wirkt authentisch und offenbart sich in seiner ganzen Verletzlichkeit als Mensch. Wer immer ihn als Narziss oder Egomanen beschreibt: es ist nicht illegitim, mit unterschiedlichen Charaktermerkmalen ausgestattet das Leben anzugehen. Seine Form ist von Nutzen für jene, die sich an ihrem eigenen Leid verschlucken, die sich nicht gegen das Ausgeliefertsein zu wehren wissen, wie es Schlingensief mit seinem offenen Bekenntnis hier versucht. Alles, was einem Menschen hilft, ist erlaubt, so lange man andere mit dem eigenen Verhalten nicht schädigt. Gerade das aber tut er nicht. Indem er seine Krankheitsgefühle verbalisiert, ja als Theaterinszenierung wie in '"Mea Culpa'" oder eine '"Kirche der Angst vor dem Fremden in mir'" zum Verstehen führt, bringt er uns zum Nachdenken über Leben und Tod.
Christoph Schlingensief ist außergewöhnlich, aber er gibt sich nicht so. Er ist begabt und ein begnadeter Künstler,--und bleibt bei allem ein bescheidener, warmherziger Mensch mit zutiefst ernsten und wahrhaftigen Einwendungen gegen sein Geschick.
Seine Bekenntnisse gleichen einem Aufschrei der Angst und Empörung und zeugen zuletzt von der Annahme seines Leidens in Trauer und Zuversicht.
64 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
"Wer seine Wunde zeigt, dessen Seele wird gesund."
Von Erzbergwerkszwerg
Als Christoph Schlingensief im Januar 2008 mit der Diagnose Lungenkrebs konfrontiert wird, beginnt er schon bald, seine Gedanken auf Band zu sprechen. Auf diesen Aufnahmen basiert das Buch.
"So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" hat mich zutiefst berührt. In diesem Buch der eher leisen Töne wirkt der Regisseur und Aktionskünstler zutiefst verletzlich. Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen.
Schlingensief hat einen sehr sehr traurigen aber auch einen ermutigenden Text geschrieben, der unter die Haut geht. Da steckt so viel Angst drin, soviel Trauer und Wut aber auch sehr viel Liebe. Liebe zu seiner Verlobten Aino, zu seiner Arbeit und vor allem zum Leben.
Das Buch ist kein verjammertes Hadern mit dem eigenen Schicksal, sondern der mutige Versuch das Ungeheuerliche zu verstehen und sich ein Stück weit selbst auf die Spur zu kommen. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit der Familie (vor allem dem verstorbenen Vater), mit der eigenen Einstellung zur Arbeit, mit dem Leben an sich und natürlich mit dem Tod. Schlingensief greift dabei nicht einfach "nur" sein eigenes ganz persönliches Schicksal auf, sondern den Umgang mit Krankheit und mit Tod in unserer Gesellschaft. Er zeigt auf, wie häufig Kranke und ihre Angehörigen allein gelassen werden und ruft bereits im Vorwort dazu auf, aktiv etwas dagegen zu unternehmen. Hier geht es nicht darum, dass ein Mensch seine Geschichte hinausposaunen will um zu sagen "Seht her, da bin ich - und so krass bin ich drauf!" Wer das denkt, hat das Buch nicht gelesen - kann es nicht gelesen haben. Es geht hier nicht um Exhibitionismus o.ä., sondern um einen wichtigen Prozess, den ein Mensch durchläuft und um Erfahrungen, die sicherlich anderen helfen können. Menschen, die selbst in der Situation sind und sich mit Ängsten konfrontiert sehen, die man sich gar nicht vorstellen kann - oder auch Gesunden, die wieder einmal vor Augen geführt bekommen, wie wertvoll der "normale Alltag" ist.
Schlingensief berichtet in seinem Protokoll auch von heiteren Momenten. Wie er sich vor Lachen kaum halten kann, als eine geistig verwirrte Patientin ihm vor die Zimmertür kackt und eine Putzfrau das ganze auch noch mit den Worten "Ach du Scheiße, Kacke!" kommentiert. Oder einfach die eigentlich banalen und doch so schönen Kleinigkeiten, die unseren Alltag ausmachen: Pizza essen mit Freunden, der Frühlingsbeginn u.v.m.
Christoph Schlingensief hat ein wichtiges Buch geschrieben - nicht nur für sich selbst, sondern auch für Kranke wie Gesunde.



