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The Cocka Hola Company: Roman

The Cocka Hola Company: Roman
Von Matias Faldbakken

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Durchschnittliche Kundenbewertung:
(25 Kundenrezensionen)

Produktinformation

  • Amazon-Verkaufsrang: #24295 in Bücher
  • Veröffentlicht am: 2005-04-01
  • Einband: Taschenbuch
  • 464 Seiten


Kundenrezensionen

Hilfreichste Kundenrezensionen

44 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
4Extrem amüsanter Wahnwitz, unvergleichlich
Von Thomas Liehr
Beim Dreh zum neuesten Pornofilm "The Cocka Hola Company" der DESIREVOLUTION-Unternehmensgruppe kommt es zu einem Zwischenfall: Obwohl gemäß § 10 der DESIREVOLUTION-Konventionen verboten, schnappt sich Darsteller TipTop den Schwanz des Kollegen Casco und führt ihn sich oral ein. Der Dreh wird trotz verhunztem Cum-Shot beendet, und nun harren die beiden, die irgendwie – obwohl sie es nie zugeben würden – Spaß an der Sache hatten, dem nächsten Infomeeting, wo die schriftliche Bewertung des neuesten DESIREVOLUTION-Werkes durch den hauseigenen Pornoideologen Ritmeester, der in einer selbstgewählten Eremittage ausschließlich Magermilch, Weißbrot, Zigaretten, Pornofilme und obskure Zeitschriften konsumiert, vorgetragen werden wird. Diesem Infomeeting sehen auch Simpel, Projektchef von DESIREVOLUTION, Motha, seine Frau, selbst Darstellerin in diversen Filmen, Speedo, der vertraglich verpflichtete Zwangsalkoholiker und Laufbursche, Eisenmann, der "Requisiteur" und hauptberufliche Drogenbeschaffer, sowie einige andere aus der Belegschaft der originellen Unternehmung entgegen. DESIREVOLUTION ist in Wirklichkeit das Dach für eine Vielzahl von subversiven Aktivitäten, in der Hauptsache ausgeführt vom zutiefst misanthropen Simpel, der Tag und Nacht an Aktionen wie "Fuck up the Neighbourhood", "Unschuldige mobben" und "Hilfsarbeiter hört niemand schreien" arbeitet. Ach ja, und da ist auch noch der verhaltensgestörte Nachwuchs von Simpel und Motha, ein autistischer Siebenjähriger namens Lonyl, der alles und jeden mit seinem schwarzen Filzstift bemalt, seine Lehrer in den Wahnsinn treibt und außer Carpaccio nichts ißt, wenn er nicht gerade stundenlang auf dem Sofa hüpft.

Diese überschaubare, aber extrem wilde Protagonistenschar treibt Faldbakken durch besagtes Infomeeting, Pornodrehs, Schüler-Adventsfeiern und Analytikersitzungen. Es gibt nichts, das nicht geschehen könnte, tatsächlich geschieht weit mehr, als man erwarten würde: Das Unmögliche ist Prinzip. Dieser sehr anarchistische, überaus fröhliche, rasante und originelle Roman erzählt ausschließlich vom permanenten Tabubruch, spart nichts aus und verlangt seinem Leser einiges ab. Die unkonventionelle Erzählweise mit ihren Perspektiv- und Zeitenwechseln, Stilbrüchen und zuweilen sogar verstörenden Einschüben tut das Ihrige. Ein Genuß sind die haarsträubenden Dialoge, die Listen mit Pornotiteln und Namen von subversiven Aktionen, die lautsprachlich wiedergegeben Äußerungen des ständig hackedichten Speedo – und einiges andere mehr.

Das Buch hat Matias Faldbakken in Norwegen zuerst unter dem Pseudonym "Abo Rasul" veröffentlicht. Nach dem großen Erfolg publizierte es der umtriebige Münchener "Blumenbar"-Verlag in Deutschland, bis Heyne aufmerksam wurde. Inzwischen gilt das anarchische Werk als "Kult", und das hat in gewisser Hinsicht auch seine Berechtigung. Allerdings gibt es ein "Aber": Der extrem amüsante Wahnwitz ist in sich zwar schlüssig, und insbesondere die spießerfeindlichen, genaugenommen solidarfeindlichen Vorträge von Simpel ("Zustimmung ist der Satan") sind pfiffig und unterhaltsam, aber irgendwie hinterläßt die Lektüre eine gewisse Leere. Irgendeine Prämisse oder Botschaft mag sich jeder Leser selbst zurechtpfriemeln. Davon abgesehen allerdings macht "The Cocka Hola Company" wirklich großen Spaß. Ein vergleichbares Buch habe ich bisher jedenfalls noch nicht gelesen.

43 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
5Urlaub vom Brav-sein
Von Mag Gerald Hutterer
Seien Sie gewarnt: Das ist ein ausgesprochen geschmackloses Buch voller primitiver Scherze. Schlimmer noch, sogar strafbare Handlungen werden ungeschminkt und Beifall heischend geschildert, getarnt als sogenannte "Aktionen". Das Wort erinnert zu Recht an die Happenings der 68er. Aber diesmal geht es nicht gegen böse Kapitalisten oder die üblichen verstockten Feinde von Fortschritt und Vernunft, nein es geht gegen nette, liberale, aufgeklärte Mitbürger: gegen Lehrerinnen, Schulpsychologen oder einfach Mitbewohner im selben Wohnblock. Die Namen dieser Aktionen sprechen wohl für sich selbst: "Oversocialized Leftie in Pain I + II", "Unschuldige Mobben", "Wer hört einen Hilfsarbeiter schreien, der um Hilfe ruft", "Des Blinden Manns Tango", usw usf. Das Grüppchen von Aktionisten ist alles andere als eine Zierde unserer Gesellschaft. Da gibt es Hans und Sonja, die gemeinsam mit einem gewissen Simpel (!) eine Pornoproduktionsgesellschaft betreiben, bei der ihr eigener Sohn und Simpels Frau die Hauptdarsteller sind. Einen Pornoideologen, der in selbst gewählter Einsamkeit lebt und andere skurrile Personen mehr.

Manche sagen, es handle sich um eine Attacke auf das Konsensmodell skandinavischer Prägung. (Was ist eigentlich so schlimm am Konsensmodell skandinavischer Prägung?) Simpel sagt: "I hate the fact that everything (...) every action and every attitude, every rebellion and every indecency - everything - turns into design, sooner or later." Simpel liebt es aus unerfindlichen Gründen, auf Enlgisch zu monologisieren und er liebt es, seine Monologe mit amerikanischen 4-letter words zu spieken.

Ich aber sage Ihnen: Es handelt sich um Zynismus in Reinkultur, um absurde Komik, um Burlesken und Grotesken. Mit anderen Worten, es handelt sich um die großartigste Sammlung von peinlichen Späßen und abartigen Pointen seit den Glanzzeiten der Monty Phythons. Ein Buch für Freunde des schlechten Geschmackes und alle jene die gerne wider den Stachel der political correctness löcken - wenn auch nur für ein paar Stunden, während der man sich "Flying Circus" ansieht oder eben "the cocka hola company" liest.

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
3Pornotrash? Ja! Aber Kult...?
Von Thomas Knackstedt
...das würde ich nicht unterschreiben. Matias Faldbakkens Roman The Cocka Hola Company kommt mir großen Ankündigungen daher. Den Klappentext zieren Kommentare aus der Frankfurter Allgemeinen, der NZ oder der Amica. Da ist von einer großartigen Sauerei, einer Entdeckung oder einem Porno-Trash-Lieblingsroman die Rede. Die Süddeutsche scheut auch einen Vergleich mit Michel Houellebecq nicht. Na ja, da muss man dann wohl mal reinschauen und sich das gute Stück durchlesen.

Faldakken beschert uns 15 durchweg schräge Charkatere. Ein Teil davon arbeitet in der Desirevolution Produktionsfirma für Pornofilme. Tiptop und Casco sind männliche Hauptdarsteller, die sich urplötzlich füreinander erwärmen. Simpel, der Gründer des Konzerns, ist schwer Xanax abhängig und hat eine Vorliebe für anarchische Projekte. Sein Sohn Lonyl ist mit seinen sieben Jahren schwer verhaltensgestört und Lonyls Mama ist eine der Hauptdarstellerinnen in den Desirevolution Produktionen. Dazu kommen Typen wie der Zwangsalkoholiker Speedo oder der Pornoideologe Rittmeester, der völlig abgeschieden von der Außenwelt lebt. In dieser kleinen Welt der norwegischen Pornoindustrie geht so gut wie alles drunter und drüber und vor allem Simpel muss sich gegen das norwegische Schulsystem, die Obrigkeit und alle Instutitionen fast schon zwanghaft zur Wehr setzen. Da wird ein Porno nach dem anderen produziert, Rauschmittel werden in großen Mengen konsumiert und das gesamte Leben der Produktionsfirma unterstellt. Klar, dass es da zu Spannungen kommen kann...

So weit, so gut. Faldbakken hat diesen Haufen komplett irrer Darsteller mit seinem Roman auf die Leser losgelassen. Das ist in Teilen unterhaltsam und witzig, aber weiß Gott nichts Neues. Nur allein der Ausflug in die Trash- und Slangsprache bringt noch keinen Kultroman zustande. Auch wenns eklig und abstoßend wird, muss es noch keine Sensation sein. Die Story schlingert dabei hin und her, ohne ein zentrales Thema zu haben. Faldbakken schreibt professionell und sauber, ein paar Seitenlange Aufzählungen von Filmtiteln oder ähnlichem haben mich persönlich ein wenig gestört. Wer gerne mal einen etwas angeschmuddelten, lustigen Roman lesen will, der ist mit der Cocka Hola Company gut bedient. Wer noch ein wenig mehr will, dem empfehle ich dann doch eher T.C.Boyle, Michel Houellebecq, Philippe Djian, Frederic Beigbeder oder den guten alten Charles Bukowski.

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