Johannes Gutenberg. Der Erfinder des Buchdrucks und seine Zeit.
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Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #550070 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2000
- Einband: Taschenbuch
- 368 Seiten
Kundenrezensionen
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Eine neue Perspektive
Von Ein Kunde
Die harsche Kritik der Gutenberg-Gesellschaft an Venzkes Biographie will mir nicht ganz einleuchten. Natürlich beschreibt der Autor hier ein Bild des Erfinders des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, das nicht dem althergebrachten entspricht. Und natürlich kann auch er sich nur auf Indizien stützen, wie das jede Forschung auf diesem Gebiet kann. Doch erhebt Venzke nirgends den Anspruch, in seinem Buch die letzte Wahrheit über Gutenberg gefunden zu haben. Vielmehr verweist er immer wieder darauf, dass auch er nur im Konjunktiv sprechen kann, mithin ebenfalls nur Theorien anbietet, die sich allerdings von den bisherigen unterscheiden und eine neue Perspektive zu eröffnen versuchen.
Neben diesem ist vor allem sein starker Bezug auf die Gutenberg-Forschung sehr interessant. Erst durch das Vorstellen der verschiedenen Theorien, die die riesigen Lücken in Gutenbergs Biographie zu füllen suchen, wird die Person des Erfinders vor unserem Auge lebendig. Wenn diese Biographie Gutenberg auch (fast zu) vehement in die Richtung eines "verschlagenen Geschäftsmannes" schieben will, versucht sie doch, durch vorsichtiges Argumentieren und Abwägen objektiv zu bleiben (auch wenn dies nicht in jedem Fall gelingt).
Zuletzt bleibt zu berücksichtigen, dass es sich hierbei um ein populärwissenschaftliches Buch handelt, das sich vor allem an den Leser richtet, der einen ersten Überblick über das Leben Gutenbergs und seine Erfindung erhalten will. Letztere kommt in dieser Biographie allerdings zu kurz. Die praktische Durchführung des Gieß-, Setz- und Druckvorgangs, Gutenbergs Werkzeuge und ihre Funktion werden nur im Vorbeigehen und recht ungenau beschrieben. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Person Gutenberg, die hier aber keineswegs von ihrem Sockel zu stoßen versucht wird. Denn auch wenn Johannes Gensfleisch von ökonomischen Interessen getrieben und er kein begnadeter Typograph gewesen sein sollte, so bleibt doch ihm der gewaltige Akt der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern zu verdanken, der die heutige Informationsgesellschaft überhaupt erst möglich gemacht hat.
5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Gutenberg ist doch lebendig
Von Ein Kunde
Wir im Osten hatten ja unseren Kapr, der es wie der Westen verstand, die Ideologie möglichst aus seiner Biografie über Gutenberg herauszuhalten. Wiederum waren die westdeutschen Forscher geradezu positivistisch strikt. Die Fakten zählen - sonst nichts (Siehe nun wieder einen Prof. Füssel aus Mainz!). Eben das war wohl der Grund, warum die Biografie Gutenbergs kaum gelesen wurde, im Westen noch weniger. Und nun also dieser Venzke! Wenn man das Sterile bei diesem Thema nur irgendwie lebendig darstellen könnte, dann ist Venzke das gelungen. Und so viele neue Ideen wie er hat die Gutenberg-Forschung in keinem Jahrhundert zusammengetragen. Man glaubt es nicht: Seine Gutenberg-Biografie macht sogar lachen.
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der eine und der andere Gutenberg
Von Ein Kunde
Andreas Venzke zeichnet ein ganz anderes Bild von Johannes Gutenberg, als jenes, das wir vorgesetzt zu bekommen gewohnt sind - spätestens seit der Wahl des Mainzer Erfinders zum Mann des Jahrtausends.
Wenn wir glauben, was wir von anderen Stellen hören, nämlich dass Gutenberg ein Mann mit großen Visionen gewesen sein muss, der einen großen Teil seiner Lebenszeit und -kraft in die Erfindung des Buchdrucks investiert hat, der um den wirtschaftlichen Erfolg seines Lebenswerks gebracht worden ist und als armer und gebrochener Mann sein Leben beschlossen hat, dann wird uns Venzke die Augen öffnen für ein anderes Bild von Gutenberg, das sich ebenso aus er Quellenlage ableiten lässt: Ein harter und manchmal auch skrupelloser Geschäftsmann, dessen einzige Vision es ist, reich zu werden. Er hat offenbar großes Geschick im Aufspüren von Marktlücken, sowie technisches Können und Talent, das er zur Erreichnug seines Ziels einsetzt. Er kann durchaus auch tatsächlich reich geworden ein. Keine bekannte Quelle beweist uns das Gegenteil.
Der große Verdienst Andreas Ventzkes ist es, dass er klar sagt, was sich aus den Quellen entnehmen lässt und was alles dem Mythos zuzuschreiben ist. Und eigentlich reichen die Fakten nicht aus, um uns ein eindeutiges Bild von Johannes Gutenberg zu machen. Auch jenes, das Ventzke entwirft, ist nicht das einzig mögliche.
Für mich war Ventzkes Darstellung zwar eine Demontage des Mythos, aber nicht des Verdienstes Gutenbergs. Alleine, was an technischer Entwicklung in dem funktionierenden Verfahren Buchdruck steckt, die vielen Detailprobleme, die über Jahrzehnte hinweg eines nach dem anderen gelöst weden mussten - und dass das im Großen und Ganzen ein Einzelner mit Beharrlichkeit geschafft hat - das muss anerkannt werden, auch wenn er mit dem Ergebnis vor allem Geld verdienen wollte.


