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Gehen (suhrkamp taschenbuch)

Gehen (suhrkamp taschenbuch)
Von Thomas Bernhard

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Durchschnittliche Kundenbewertung:
(9 Kundenrezensionen)

Produktinformation

  • Amazon-Verkaufsrang: #62072 in Bücher
  • Veröffentlicht am: 1971-09-29
  • Einband: Taschenbuch
  • 100 Seiten


Kundenrezensionen

Hilfreichste Kundenrezensionen

36 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
5Mitgeteilter Solipsismus mit Bernhard
Von Michael Baumann
Ein Buch, 100 Seiten, schlichter Titel, schlichte Handung, schlichte Beurteilung: erstklassig.
Erzählt wird eigentlich nur eines: Daß ein, anscheinend hoch seltsamer Typ, namens Karrer "nach Steinhof hinaufgekommen" sei. Steinhof, eine Irrenanstalt und das, was (einen) Menschen dorhinbringt, ist das Thema des Buches. Und das, was das ist, wird unzweifelhaft und zum Erstaunen des ein oder anderen relativ schnell klar: es ist schlicht: Denken. Und zwar, so wird es aus der Perspektive eines Ich-Erzählers geschildert, ein Denken, das zu intensiv ist; das die Grenzen überschreitet und letztlich im vollendeten Idiotismus, in der totalen Selbstbezüglichkeit, im Wahn des Sehens der Welt durch die subjektive Brille, kurz im Solipsismus endet. Das Buch "Gehen", der Titel, das wird klar, steht in innerem Zusammenhang mit dem wahnsinnig machenden Denken,ist in unverwechselbarem "Bernhard-Stil" geschrieben: Es operiert ausschließlich mit z.T. sehr langen und verschachtelten Sätzen, im Stil der indirekten Rede und (fast) ohne Absatz. Man muß diesen Berhard lieben, sonst wird man selbst wahnsinnig; häufige Wiederholungen des gleichen Themas, die strenge "Ex-Klusivität" des Ich-Erzälers, der das Verhalten eines anderen beschreibt, schafft eine ganz eigene, graue und zwielichtige Stimmung, die Nietzsche als Geist des Tragischen bezeichnet hätte. Für mich ein echtes Highlight auf dem Buchmarkt, das den Zauber einer "anderen Schreibe" hat. Wie oben gesagt: durch seine Einmaligkeit schlicht erstklassig.

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
4Gesammeltes Leiden
Von Kati A.Punkt
"Wahnsinnsfrauen 1-3" ist eine Sammlung von Essays, die sich in Form von Kurzbiografien mit dem Thema des Leidens von Frauen im und unter dem Patriarchat auseinandersetzen. Namhafte Autorinnen und Professorinnen berichten in den, teilweise sehr gut recherchierten, Texten über (berühmte) Frauen, die durch männliche Dominanz und Ignoranz krank und "verrückt" geworden sind oder dazu erklärt wurden. Frauen wie Jeanne d'Arc, Marylin Monroe oder Virginia Woolf wurden systhematisch unterdrückt und klein gemacht, als sie die ihnen zugedachte weibliche Rolle nicht ausfüllen wollten oder aufgrund ihrer Persönlichkeit nicht konnten. Hochbegabte, sensible und eigensinnige Frauen, die mehr wollten als Hausfrau, Mutter und schweigend zierendes Beiwerk eines Mannes zu sein und sich deshalb aktiv wehrten, erklärte man(n) für unnormal und verrückt. Sie wurden mit Gewalt in ihre Rolle gepresst, unter Arrest gehalten, in Anstalten vergessen oder mit bestialischen Methoden gequält, um den vermeintlichen Irrsinn aus zu treiben. Oft bewirkten gerade diese Maßnahmen, dass die Frauen Anzeichen pathologischen Wahnsinns entwickelten und Flucht in der Krankheit suchten (um auf diese Weise gegen das Patriarchat und die Frauenrolle zu protestieren).
Der Band ist empfehlenswert und hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Er gibt einen umfassenden Überblick über den Wandel der "Unterdrückung" im Laufe der Zeit und lässt tief in die Einzelschicksale und Biografien der Frauen blicken. Als störend empfand ich den teilweise stark variierenden Erzähl- und Schreibstil der einzelnen Autorinnen. Oft stört die etwas zu feministische und deshalb einseitige und nicht ausreichend objektive Erzählweise. Wer sich erst langsam in das Thema einarbeiten möchte, sollte mit einem Einzelband (Wahnsinnsfrauen 1-3)beginnen, Geld spart man allerdings mit diesem Sammelband.....

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
3Ein geeignetes Buch, um dem Wahnsinn zu verfallen
Von Villette
Ich bin weder Bernhard-Kenner noch Bernhard-Liebhaber, kann "Gehen" daher weder in den Kontext seines Werkes einordnen noch das Genie gerade dieses Buches herausstellen. Ich bleibe ganz bei meinem subjektiven, sehr laienhaften Eindruck. Der ist dieser: Während des Lesens hatte ich nicht selten das Gefühl, Hollensteiner, Karrer und Oehler in den Wahnsinn folgen zu müssen. Der namenlose Erzähler referiert beim Gehen Oehler, seinen Spaziergangspartner, der sich wiederum über Karrer auslässt, mit dem er eigentlich gehen sollte, der aber nun verrückt geworden ist während des letzten Spaziergangs, und zwar hauptsächlich wegen seiner Beziehung zu Hollensteiner, der sein Leben durch Selbstmord ein Ende gesetzt hat. Dieser Monolog von Oehler trägt selbst wahnsinnige Züge, dreht er sich doch dauernd, Gedanken wiederholend, im Kreis. Die Themen des Monologs waren für mich als Leser schon fast nicht erkennbar, so sehr lenkt einen der Stil ab. Hindurch scheint nur jede Menge Trübsal, Enttäuschung, letztlich das Gefühl von Sinnlosigkeit und Gleichgültigkeit. Allerdings ist dies offenbar ein anzustrebender Zustand und nichts, gegen das man sich wehren sollte. Wie ich in vielen anderen Rezensionen lese, ist dies ein Meisterwerk der Literatur. Für mich ist es das nicht. Ich möchte allerdings auch nicht wirklich gern wahnsinnig werden.

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