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Beton (suhrkamp taschenbuch)

Beton (suhrkamp taschenbuch)
Von Thomas Bernhard

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Durchschnittliche Kundenbewertung:
(9 Kundenrezensionen)

Produktbeschreibung

Erscheinungsjahr: 2011
11. Aufl.
Gewicht: 136 gr / Abmessungen: 177 mm x 108 mm x 13 mm
Von Bernhard, Thomas

Rudolf, der Erzähler dieses 1982 erschienenen Buches, bereitet seit einem Jahrzehnt mit leidenschaftlichem Ernst eine größere wissenschaftliche Arbeit über seinen Lieblingskomponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy vor. Nachdem er zuerst durch den Besuch seiner Schwester und dann, nach ihrem Weggang, durch die quälende Furcht, sie könnte wieder zurückkommen, am Schreiben des ersten Satzes seiner Studie gehindert wird, quält ihn die "Hölle des Alleinseins". Deshalb packt er die Koffer, nimmt nur die wichtigsten seiner Schriftstücke mit, um in Palma seine Arbeit zu realisieren. In einem dortigen Cafe erinnert er sich an eine junge Frau, die ihn bei seinem letzten Palma-Aufenthalt vor eineinhalb Jahren angesprochen hatte. Sie war verzweifelt, ihr Mann hatte sich nachts vom Balkon des Hotels Paris gestürzt. Auf dem Friedhof von Palma, in einem der sieben Stock hohen Betonbestattungskästen, ist er beerdigt worden. Noch jetzt, eineinhalb Jahre danach, sieht er das verzweifelte Gesicht der Frau. Nun hat er eine Reihe von ersten Sätzen für seine Arbeit im Ohr, aber auch das Unglück der jungen Frau. Er nimmt ein Taxi, fährt zum Friedhof und findet an der Tafel neben dem Namen des Mannes nun auch den Namen der Frau: suicido - erfährt er.


Produktinformation

  • Amazon-Verkaufsrang: #163066 in Bücher
  • Veröffentlicht am: 1988-02-06
  • Einband: Taschenbuch
  • 213 Seiten


Kundenrezensionen

Hilfreichste Kundenrezensionen

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
5Großartiges Spätwerk Bernhards
Von Uncle1927
Der Musikkritiker Rudolf, völlig zurückgezogen in einem niederösterreichischen Dorf lebend, überaus wohlhabend und alleinstehend, dabei todkrank (oder zumindest eingebildet todkrank), hat nur noch ein Ziel: Endlich sein Lebenswerk zu Papier zu bringen, eine Studie über seinen Lieblingskomponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Das Buch erzählt auf etwa 200 Seiten in einem absatz- und kapitelfreien stream of consciousness davon, wie er hierbei aus übersteigertem Perfektionismus heraus bereits am ersten Satz scheitert, bzw. wie er seit 12 Jahren an jenem mutmaßlich alles entscheidenden Satz gescheitert ist und welche Wirkung diese permanente Frustrationserfahrung auf seinen ohnehin fragilen Geisteszustand hat.

Eine hochinteressante und faszinierende Charakterstudie darüber, wie sich eine hochintelligente aber sozial unfähige Person immer tiefer in eine einmal eingeschlagene Sackgasse verirrt, wenn es sein Selbstbild nicht erlaubt einzugestehen, gerade auch sich selbst gegenüber, fragwürdige Entscheidungen getroffen, einen letztendlich perspektivlosen Lebensweg eingeschlagen zu haben.
Ein gutes Beispiel auch dafür, wie unsinnig die bisweilen geäußerte Kritik ist, Bernhard würde in seinen Büchern nicht viel mehr machen, als alles und jeden als Nationalsozialisten zu beschimpfen: In "Beton" kommt trotz ausgiebiger Polemik das "N-Wort" nicht ein einziges Mal vor.

Die in brillanter Prosa vorgetragenen Gedankengänge und Selbstgespräche Rudolfs sind bei alledem derweil häufig derart witzig, nicht zuletzt der allgegenwärtigen Selbstironie Bernhards wegen, dass der geradezu deprimierende Plot in seiner Wirkung zwar keineswegs nivelliert aber doch abgedämpft wird.
Bernhard zelebriert seine Übertreibungskunst auf allerhöchstem Niveau. Spätestens wenn der gemeine Stubenhund in einem vielteiligen Gedankengang zum Weltvernichter mutiert, werden sich auch Bernhard-Kritiker ein Lachen nicht verkneifen können.
Dieses Lachen freilich kann schon beim nächsten Gedankengang im Halse stecken bleiben...

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
5Aussichtslosigkeit
Von KillaBee
Rudolf sitzt, von Krankheit und Schwäche geplagt, isoliert und verlassen in einem eigentlich viel zu großen Haus in Peiskam in Österreich. Die Gesellschaft und seine Schwester (die diese und ihre Werte verkörpert) findet er widerlich und pervers, er hasst ihre Heuchelei und Falschheit. Seine Arbeiten zu Musik, Literatur und Philosophie beendet er fast nie und wenn er sie beendet vernichtet er sie wieder. Im Falle der Arbeit über Mendelssohn Bartholdy, die er innerhalb dieses Buches niederzuschreiben versucht, scheitert er schon am Anfang. Es gelingt im nicht einen ersten Satz zu finden, ständig lenkt ihn etwas, meist der Gedanke an die verhasste Schwester, ab. Unfähig seinem einzigen Lebenssin nachzugehen vegetiert er in seiner "Gruft" dahin. Ein innerlich zerrissener, desillusionierter, enttäuschter Mann, der seiner eigenen Meinung nach nicht mehr lange zu leben hat. Ironischerweise bringt gerade seine Schwester ihn auf die Idee eine Reise anzutreten. Er entschließt sich nach Palma zu verreisen, mit dem er nur positive Erinnerungen verbindet. Dort angekommen erinnert er sich an eine Frau, die er bei einem seiner vorigen Aufenthalte kennengelernt hatte und deren Lage noch wesentlich verzweifelter war als seine eigene. Ihr Geschäft ist pleite, ihr Mann ist im Urlaub verstorben (Selbstmord oder Unfall bleibt unklar) und liegt nun mit anderen Leichen zusammengepfercht in einem der unansehnlichen Betonkästen von Palma. Das Ende der Geschichte will ich hier noch nicht verraten. Stattdessen möchte ich folgendes sagen: Bernhard hat sich selbst übertroffen: Sprachlich großartig schildert er die verzweifelten Gedankengänge einer gescheiterten Existenz. Rudolf ist ein Verlierer, nicht akzeptiert, man macht sich über ihn und seine Arbeit lustig. Frustration, Trauer und Verbitterung sind die vorherrschenden Gefühle eines Menschen der nichts Positives an all dem gesellschaftlichen Treiben um ihn herum erkennt. Die Atmosphäre ist beedrückend, regt zum Nachdenken an. Während der Protagonist sich längst in sein Schicksal ergeben hat und keinen Widerstand mehr zu leisten scheint fällt einem auf, dass vieles von dem was er sagt (wenngleich Bernhard wieder, wie man es gewohnt ist, gerne übertreibt und provoziert) der Wahrheit entspricht. Hier treffen sich knallharte, überdeutliche Sozialkritik mit der berührenden Darstellung der Qualen der Hauptperson, deren Ende in einem der klobigen Betongräber vorbestimmt scheint. Meiner Meinung nach ein Meisterwerk!

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
5Ein gelungenes Buch!
Von bücherwürmchen
Ein wirklich empfehlenswertes Buch. Bernhard schafft es die Charakterzüge des Musikkritikers Rudolph in den verschiedensten Nuancen darzustellen. Rudolpph, eine geistig labile Person "verirrt" sich aufgrund vieler Selbstzweifel, immer mehr im Leben und zieht sich nach und nach zurück.
Ein dramatisches und trauriges Buch, jedoch kann man sich so manchesmal ein Lachen nicht verkneifen.

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