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Lügen in Zeiten des Krieges: Roman (suhrkamp taschenbuch)

Lügen in Zeiten des Krieges: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Von Louis Begley

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Durchschnittliche Kundenbewertung:
(15 Kundenrezensionen)

Produktinformation

  • Amazon-Verkaufsrang: #33948 in Bücher
  • Veröffentlicht am: 1996-04-29
  • Einband: Taschenbuch
  • 224 Seiten


Kundenrezensionen

Hilfreichste Kundenrezensionen

37 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
5Autobiographischer Roman eines Shoah-Überlebenden
Von Ein Kunde
„Wenn man die Tür zu einer dunklen Vergangenheit öffnen will, dann läuft man Gefahr, sich die Hand am glühenden Türgriff zu verbrennen. Die literarische Form des Romans erlaubt hier eine Distanzierung, sie ist wie ein handschuh, den man sich anzieht, um die Hitze ertragen zu können." So sieht Louis Begley in der Form des Romans eine „Art Schutzhaut", die es ihm erlaubt, „meine eigene Geschichte erzählen zu können". Louis Begley wurde 1933 als Kind jüdischer Eltern in Polen geboren. Die Familie überlebte die Shoah und emigrierte in die USA. Das literarische Erstlingswerk des New Yorker Anwalts erzählt die Geschichte der Kindheit des polnischen Juden Maciek zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Aus der Perspektive des kleinen Jungen wird erzählt, wie es ihm und seiner Tante immer wieder gelingt, ihr Leben durch Lügen zu retten. Die Lüge wird so zur Existenz-Vorraussetzung; der Verlust der eigenen Identität ist der Preis für das Überleben. Am Anfang des Buches ist von dem Mann die Rede, der aus diesem Jungen Maciek geworden ist, von seiner „Scham, am Leben geblieben, mit heiler Haut, ohne Tätowierung davongekommen zu sein, während seine Verwandten und fast alle anderen im Feuer umgekommen waren..." Louis Begley spricht in einem Interview von seiner eigenen Scham, die er „als Überlebender des Holocaust empfunden" habe. Viel Autobiographisches steckt in diesem Roman, Realität und Fiktion greifen ineinander; und dies in einem auf hohem sprachlichen Niveau. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
5Darf man lügen? Man muß!
Von Polar
Als Europäer müßte man vor dem 21. Jahrhundert auf die Füße fallen und ihm danken, nicht im 20. festgesteckt zu haben. Das Leben Macieks ist wohlbehütet bis zu jenem Tag 1939, der den Schrecken nach Polen brachte. Die Familie zerrissen, ihres Schutzes beraubt, das ganze Augenmerk gilt nur noch dem Überleben. Sei es, indem man mit dem Feind sich einläßt, sei es, daß man durch ein Wechselbad der Lügen marschiert, die allesamt so schwach sind, daß man es manchmal überhaupt nicht fassen kann, wenn sie greifen. Der Krieg erreicht auch die Kleinstädte, er findet längst nicht mehr nur auf den Schlachtfeldern statt. Er kriecht in die Seelen. schürt die Angst trotz falscher Papiere entdeckt, deportiert oder gleich erschossen zu werden.

Wie Tanja und Maciek die Katastrophe überleben, ist ein Lehrstück menschlichen Willens, niemals aufzugeben, sich durchzubringen, auf bessere Zeiten zu hoffen. Daß nach dem Wahn der Deutschen dann die Sowjets vor der Tür stehen und die Odyssee weitergeht, mag angesichts der Opfer wie eine sarkastische Laune des Schicksals wirken. Bücher wie das von Louis Begley sollten schwankende Europäer zur Hand nehmen, wenn ihnen die Kosten für ein geeintes Europa zu hoch erscheinen.

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
5Lügen, um zu überleben
Von R. Funk
Dieser Roman ist kein Fantasieprodukt sondern traurige Realität. Louis Begley, ein New Yorker Anwalt, der als Ludwig Begleijter geboren wurde, hat als jüdisches Kind Krieg und Holocaust in Polen überlebt. Was er als Ich-Erzähler beschreibt, trägt starke autobiographische Züge.

Der kleine Maciek hat seine Mutter verloren, da diese im Kindbett verstarb, wächst aber trotzdem behütet in einer polnischen Mittelstadt auf. Sein Vater ist ein geachteter Arzt. Das Kind wird von seiner Tante Tanja, den Großeltern und einem Dienstmädchen umsorgt, bis die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges hereinbricht. Damit beginnt eine Odyssee, welche die Familie nicht nur um ihren Besitz bringt, sondern diese auch völlig auseinanderreißt. Der Vater kämpft im Osten zusammen mit der Russischen Armee. Die Großeltern und Tanja mit dem kleinen Maciek entrinnen dem Ghetto und der drohenden Deportation mit falschen "arischen" Identitäten und getrennten wechselnden Aufenthaltsorten.

Maciek ist unter der Obhut Tanjas gezwungen, sich je nach Situation einen neuen Lebenslauf einzuprägen und sein ganzes Verhalten daran auszurichten. Er muß wie ein Schauspieler seine jeweilige Rolle lernen. Nur so können die beiden im Untergrund überleben, zunächst im galizischen Lemberg und später in Warschau, wo sie den ganzen Schrecken des Warschauer Aufstands und dessen Folgen miterleben. Der Feind besteht nicht nur aus deutschen Nazischergen, sondern auch aus den eigenen katholischen Landsleuten, weshalb nach dem Krieg aus Furcht vor Pogromen die falsche Identität beibehalten werden muss.

Begley schreibt aus der Sicht des Kindes, jedoch ohne eine infantile Sprache zu verwenden, mit einer Eindringlichkeit, die unter die Haut geht. Es scheint, als hätte der Autor erst nach jahrzehntelanger Verarbeitung der eigenen Erlebnisse, die Worte gefunden, um dieses Grauen zu beschreiben. "Maciek war ein Kind, und unser Mann hat eine Kindheit, die zu erinnern er nicht ertragen kann; er hatte sich eine Kindheit erfinden müssen."

Begley macht den Leser so betroffen, dass dieser dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen mag.

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