IBM und der Holocaust. Die Verstrickung des Weltkonzerns in die Verbrechen der Nazis
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Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #439654 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2001
- Einband: Gebundene Ausgabe
- 704 Seiten
Kundenrezensionen
Hilfreichste Kundenrezensionen
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Heimlich, still und leise am Dritten Reich verdient
Von Ein Kunde
Edwin Black weist nach, wie sehr IBM von seiner Kooperation mit Hitler-Deutschland profitiert hat.
Das Naziregime führte mehrere Volkszählungen in Deutschland und den überfallenen Ländern durch, um eine Planungsgrundlage für seine Vernichtungspläne zu bekommen. Hierfür nutzte man gerne IBM's Hollerith Lochkartenmaschinen. IBM profitierte von ihren weltweiten Patenten d.h. ihrer Monopolstellung und lieferte so viel sie konnte.
Der Skandal liegt nicht darin, wie in der Presse zu lesen war, dass der Autor behauptet, ohne IBM sei kein Holocaust möglich gewesen. Das behauptet der Autor an keiner Stelle. Aber er belegt überzeugend, dass der Holocaust ohne IBM nicht so effizient zu organisieren gewesen wäre. Er führt diesen Beweis anhand des Vergleichs zwischen den Opferzahlen in Frankreich und Holland. In Frankreich entkamen prozentual viel mehr potenzielle Opfer, weil keine Hollerithmaschinen zur Verfügung standen. Anders als in Holland, wo man auf einen gepflegten Datenbestand und Hollerithmaschinen zurückgreifen konnte.
Selbst die auf Statistik basierende Rassentheorie profitierte von den neuen technischen Möglichkeiten, sie in die Tat umzusetzen. Dank der Erfassung von Geburtsdaten aus Kirchen- und Synagogenbüchern in den Ahnenreihen ihrer Gemeindemitglieder liessen sich nicht nur die gegenwärtigen Religionsmerkmale der Bürger erfassen und auswerten, sondern auch die Religionsmerkmale ihrer Vorfahren nachvollziehen und zu künstlichen Bevölkerungsgruppen wie "Achtel-, Viertel- und Halbjuden" kategorisieren.
Die Nazis dankten dem IBM Chef Watson seine technologische Leistungsfähigkeit und Loyalität zu Deutschland sogar mit einer Ordensauszeichnung.
IBM gelang es während und nach dem Krieg, ihre deutsche Tochterfirma immer als deutsches oder amerikanisches Unternehmen darzustellen, je nachdem, was opportun war. So gelangten sie mit einem unbeschädigten Image in die Nachkriegszeit.
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Faschismus und Kapitalismus
Von Malte Neumann
Dies ist ein bedeutendes, von zahlreichen zwingenden Dokumenten gestütztes Buch. Es ist darüber hinaus sehr eindrücklich geschrieben. Am Ende steht man betroffen vor der Erkenntnis, wie weit doch die Gier und die Skrupellosigkeit des IBM-Vorsitzenden Watson und seiner willigen Mitprofiteure reichte, und wie dementsprechend gut und ordentlich der Kapitalismus während des nazistischen Vernichtungskrieges funktionierte. Watson überlässt nach dem Kriegseintritt der USA Ende 1941 guten Gewissens seine vorher direkt kontrollierte deutsche Tochterfirma Dehomag einem Treuhänder, und dieser geht eifrig daran, die Gewinne der Firma zu mehren, sodass selbst die Wehrmacht unter den peinlich eingehaltenen Mietforderungen stöhnt und ihnen dennoch nachkommt. Als die US-Truppen dann Europa befreien, sammeln die „IBM-Soldaten", vom Konzern quasi gestellte und ausgebildete Nachrichteneinheiten, die diversen Lochkartenmaschinen wieder ein und berichten freudig ihrem Präsidenten (Watson) von ihren Funden. Natürlich gehen alle während dieser Zeit gemachten Erlöse rasch aufs IBM-Konto in New York.
Manche behaupten, der Holocaust hätte auch ohne die Lochkartentechnologie stattgefunden. Aber in dieser „Effizienz"? Jeder weiß, wie gut abgestimmt unter den Bedingungen eines „totalen" Krieges die Vernichtungsaktionen organisiert waren. Black legt dar, wie sehr das von der Hollerithmaschinerie abhängig war, dass selbst Eichmanns Eisenbahnen niemals ohne diese Form der Datengewinnung und Datenauswertung so pünktlich genau gefahren wären. Die Juden wurden im Zuge der Volkszählungen mithilfe der Lochkartentechnologie erfasst und ausgesondert, die Dimensionen ihres Besitztums fixiert, ihre Namen und Adressen alle den Nazis bekannt gemacht - ohne IBM-Logistik in dieser Präzision und Schnelligkeit nicht machbar. Die Insassen der Konzentrationslager wurden mit Hollerithmaschinen erfasst und „verwaltet".
Man muss dieses Buch mit all den unglaublichen Facetten seiner Thematik einfach gelesen haben. Man wird eine Menge lernen über die USA und Deutschland, über Kapitalismus und Faschismus.
4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Wichtiges Buch zum Schutz persönlicher Daten
Von Dirk Schmidt
Wenn vom Thema des Holocaust und dem Nachweis der Verstrickungen IBMs darin mal abgesehen wird, dann bleibt ein weiteres wichtiges Themengebiet über. Das Thema des verantwortlichen Umgangs mit persönlichen Daten bis zum Recht auf informationelle Selbstbestimmung, also Datenschutz. Das Buch zeichnet klar nach, wie das Dritte Reich auf die von IBM beherrschte Lochkartentechnologie angewiesen war, mit deren Hilfe die Bevölkerung gezielt ausgeforscht, erfaßt und letztendlich sogar verwertet werden konnte. Konnten früher nur einzelne Beispiele aufgeführt werden, ist die Buch sicher der frühest ansetzende Nachweis, wie Vorläufer der Computer und Datenbank-Softwaren bereits in der Lage zum Schaden verwandt werden konnte. Ein Diskurs über Sinn und Zweck von Datenschutz, darüber welche Daten erhoben und verwertet werden sollten, wird an diesem Buch nicht mehr vorbeikommen.

