Decius war hier...: Das Beste aus der römischen Graffiti-Szene
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Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #447790 in Bücher
- Veröffentlicht am: 1996-01-01
- Einband: Taschenbuch
- 176 Seiten
Kundenrezensionen
Hilfreichste Kundenrezensionen
17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Graffiti gab es schon vor 2000 Jahren
Von Ein Kunde
Unglaublich, aber wahr: schon die alten Römer haben sich an Mauern und auf Hauswänden verewigt.Der Autor stellt 598 Graffiti aus der berühmten Ruinenstadt Pompeji vor.Die sowohl in lateinischer Sprache, z.T. sogar in Faksimile wiedergegebenen Texte, als auch die deutschen Übersetzungen dazu, geben ein gutes Bild vom damaligen Alltag.Die Graffiti sind nach Themen wie Schule, Beruf und Liebe geordnet, und auch erotisches und gar obszönes fehlt nicht.Zu jedem dieser Themen gibt es eine kurze, aber informative Einleitung. Dieses Buch zeigt auf interessante Art, dass sich die Freuden und Sorgen der antiken Menschen kaum von unseren heutigen unterschieden.Für Pompejireisende ist dieses Buch deshalb die optimale Ergänzung zum normalen Reiseführer, weil man so nicht nur erfährt, wie die Menschen damals gelebt haben, sondern auch, wie sie gedacht und gefühlt haben.
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
I was here!
Von Kankin Gawain
Es gibt ja gerade unter den Soziologen einige, die behaupten, die Mutterliebe, die Romantik, die Pornographie et cetera.... seien Erfindungen der Neuzeit. Wer einmal wissen will, wie ähnlich uns die Menschen früherer Zeiten waren, sollte einmal in dieses Buch hineinschauen. Es enthält Graffiti-Sprüche – aus der römischen Antike! Jene nämlich, die sich durch den plötzlichen Untergang Pompeiis erhalten haben. Teils recht derbe Kost, wie etwas die Sprüche, die man in zahlreichen städtischen Bordellen fand. Aber es ist schon lustig, dass sich auch unsere Vorväter aus grauer Vorzeit nicht entblöden konnten, Sprüche abzulassen, wie „Decius was here!“
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Sinniges, Unsinniges und historisch Aufschlussreiches aus der römischen Graffiti-Szene
Von Tschonnes
Jeder, der schon mal das Innere einer Bahnhofs-, Universitäts- oder jeder anderen öffentlichen Toilette gesehen hat, kennt sie: Graffiti. Politische Parolen, wüste Beschimpfungen und Beleidigungen, Liebeserklärung und pure Anwesenheitsmeldungen - all dies findet sich heute nicht nur auf Toiletten, sondern an unzähligen anderen Orten auch und demonstriert das Mitteilungsbedürfnis der "Künstler" oder lediglich die akute Langeweile, die sie zum Zeitpunkt des Verfassens gequält hat.
Nun könnte man denken, Graffiti seien eine Erfindung der Neuzeit. Doch weit gefehlt - schon im alten Rom, vor 2000 Jahren gab es bereits unzählige Graffiti an den Wänden, die sich thematisch häufig nicht wesentlich von aktuellen Graffiti unterscheiden. Viele Graffiti fielen im Laufe der Zeit dem Verfall zum Opfer, doch durch den Vesuvausbruch 79 n. Chr. wurde die römische Stadt Pompeji von einer gewaltigen Asche- und Staubschicht bedeckt, unter der eine große Anzahl Graffiti bis heute überdauern konnten und uns Aufschluss über römische Mentalität und römisches Alltagsleben verleihen.
Professor Doktor Karl-Wilhelm Weeber, Historiker und Fachmann auf dem Gebiet antiken Alltagsleben hat 598 dieser altertümlichen Graffiti in seinem Werk "Decius war hier" gesammelt und der Öffentlichkeit, die in der Regel nur wenig Kenntnis von der langen Geschichte der Graffiti-Kultur hat, zugänglich gemacht. Dabei hat er die einzelnen Graffiti größeren Kategorien zugeordnet und sie klassifiziert, etwa in Beschimpfungen und Beleidigungen, Obszönitäten, solche die sich mit dem Gladiatorenkampf oder dem Wirtschaftsleben auseinandersetzen, Liebeserklärungen beinhalten und so weiter. Eingeleitet wird jedes dieser Kapitel durch einen kurzen Begleittext, der die im Folgenden dargestellten Graffiti in einen gesellschaftlichen Kontext setzt und die Erkenntnisse beschreibt, die der Historiker aus diesen direkten Eindrücken aus dem Alltagsleben gewinnen kann. Die eigentlichen Graffiti lässt Weeber für sich selbst sprechen, liefert sowohl den lateinischen Originaltext als auch eine deutsche Übersetzung sowie gelegentlich sogar eine Darstellung der originalen Handschrift und kommentiert lediglich dann, wenn mehrere Übersetzungen möglich wären oder durch nur fragmentarische Überlieferungen die genaue Bedeutung der jeweiligen Inschrift nicht ganz klar wird. Weiterführende Erklärungen sind in der Regel auch nicht notwendig, denn die Graffiti sind meist recht kurz und sprechen für sich, oft in einer recht derben und von Beleidigungen und Obszönitäten geprägten Weise, die man der als so elegant angesehenen lateinischen Sprache gar nicht zutraut.
Auf diese Weise werden dem Leser die Inhalte so präsentiert, wie sie auch der römische Bürger damals im Vorbeigehen zu Gesicht bekommen hat und kann sich so sein eigenes Bild vom gedachten Verfasser und seinen Intentionen machen. Weebers Übersetzungen der Originaltexte sind dabei nicht - wie in anderen Veröffentlichungen - gekürzt oder beschönigt, sondern genau so wiedergegeben, wie es auch gemeint ist. Die vulgären und öbszönen Kommentare an Bordellwänden oder entsprechende Beschimpfungen werden wortgetreu übersetzt und sorgen beim Leser wahlweise für amüsiertes Gelächter oder verschämte Blicke.
Insgesamt entsteht durch "Decius war hier" ein sehr gutes Bild vom Alltagsleben der Römer, viel direkter und ungeschminkter als in den Berichten heutiger und damaliger Historiker. Graffiti sind eine Art von historischer Quelle, die oftmals in den Hintergrund gerückt wird, uns jedoch dennoch so viel über die damalige Zeit mitzuteilen vermögen. Der Umgangston miteinander (wie man sich freundlich grüßt oder ob man sich als "Penis" oder "Knabenschänder" beschimpft (noch eher harmlos im Vergleich)), wie man eine Einkaufsliste schrieb (ja, auch solche fand man an den Wänden) und welche Artikel Teil einer solchen Liste sind, wie Fans von Gladiatoren über deren Siege an der Wand Bilanz führten (oft mit einer Karikatur der Gladiatoren), wie man seine Liebe oder Eifersucht äußerte oder in der Schule Gelerntes an der Wand übte... all diese Aspekte des römischen Alltagsleben rücken hier genauer ins Licht.
Für den historisch Interessierten also ein höchst interessantes Werk aber auch für den Normalo eine sehr unterhaltsame und lehrreiche Kost. Gerade Lehrern sei dieses Buch besonders ans Herz gelegt, denn mithilfe dieser Graffiti lässt sich das Interesse an der lateinischen Sprache und römischen Geschichte doch steigern. Allerdings sollten Lehrer und Eltern jüngerer Kinder besser aufpassen, denn - wie gesagt - viele Begriffe sind nicht unbedingt jugendfrei oder pädagogisch wertvoll... aber so waren sie eben, die alten Römer.
Ich zumindest habe in meinem Geschichtsstudium viele heitere Momente mit Weebers Werk verbracht und kann nur jedem, der sich für römische Alltagsgeschichte, Latein oder Graffiti interessiert, dringend anraten, sich "Decius war hier" zuzulegen.
5 von 5 kunstvoll an die Wand gezeichnete Phallus-Symbole...



