Fassaden aus Natur- und Betonwerkstein: Konstruktion und Bemessung nach DIN 18516
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- Veröffentlicht am: 2000
- Originalsprache: Deutsch
- Einband: Gebundene Ausgabe
- 702 Seiten
Kundenrezensionen
Ausführliches Nachschlagewerk zur Bemessung nach DIN 18516
Zunächst einmal bin ich überrascht darüber, ein so spezielles Fachbuch bei Callwey zu finden. Der Verlag ist mehr für Bildbände zur Architektur bekannt. Ursprünglich erwartete ich abgesehen von Bemessungsformeln eine Mischung aus Beratung bezüglich der korrekten Materialwahl und dessen Eigenschaften bei bestimmten Beanspruchungen. Der Schwerpunkt dieses Buchs liegt allerdings auf der statischen Bemessung, was mich positiv überrascht hat. Der Titel hält also tatsächlich, was er verspricht.
Natürlich finden Sie hier in einer gewissen Art und Weise auch eine historische Betrachtung zu der Entwicklung der Berechnungsverfahren, die durch Zunahme der FEM - Berechnungsprogramme mittlerweile in vielen Bereichen optimiert werden konnten. Ich erinnere mich noch daran, dass über meinen Schreibtisch einst Treppenberechnungen von einem Ingenieur für eine bundesweit bekannte Kaufhauskette gingen, deren Systemwahl eigentlich ein dubioses Fantasiegebilde war. Der Mann hatte wohl von der Fachwelt unbemerkt den Siemens - Lufthaken erfunden. : - ) Vieles ist mittlerweile optimiert worden. Das gilt auch im Bereich der Bemessung von Fassaden aus Natur- und Betonwerksteinen aufgrund der neuen DIN 18516, die mittlerweile schon gar nicht mehr so neu ist. Der Autor war übrigens auch Mitglied in den Ausschüssen zur Überarbeitung der DIN 18516 Teil 1 und 3.
Die DIN 18516 stammt ursprünglich aus den 1970er Jahren, womit erstmals der Nachweis für Fassadenplatten gefordert wurde. Anfangs bezog man sich mit statischen Hilfsmodellen noch auf die eckpunktgestützte Platte nach Hahn bzw. Stiglat und Wippel, wobei das Feldmoment bzw. das Randmoment für die Bemessung entscheidend waren. Diese vereinfachten Verfahren waren aber nicht geeignet, um z.B. eine Bemessung in Randbereichen von Bauwerken oder an Stürzen durchzuführen. Aufgrund empirischer Untersuchungen, auch unter Zuhilfenahme von FEM Programmen, ermittelte Utescher Momentenbeiwerte für eine exaktere Bemessung. Zusätzlich wurde von Kraus Versuche unternommen, um nachzuweisen, dass zwischen Dorntraglast und Biegemoment kein Zusammenhang besteht. Dadurch konnte der Nachweis für die Plattenbefestigung und der Biegebemessung entkoppelt werden. Mit dem Erscheinen der DIN 18516 unter Mitwirkung von Wieczorek und Stein wurden erstmals auch dreipunktgelagerte Platten zugelassen.
Zu beachten sind bei den aktuellen Fassaden vor allem auch die erhöhten Anforderungen an den Wärmeschutz und die damit verbundenen aufwändigen Konstruktionen, denn hier ergeben sich vielfach auch wieder Schwachstellen im Hinblick auf Wärmebrücken. Besonders kompliziert gestaltet sich das bei aufwendigen Fassaden, wie z.B. bei der Platinplattenverkleidung des Guggenheim - Museums in Bilbao. Aufgrund der heute immer höher werdenden Anforderungen der Architektur und dem erhöhten Wärmeschutz kommt es verstärkt zu Plattenformen und Verankerungen, die mit den zur Verfügung stehenden Berechnungsverfahren nicht ermittelt werden können. Dazu zählen z.B. Leibungsplatten, die nicht getrennt im Baugrund verankert werden können. Auch hier lieferte Prof. Dipl.-Ing. Alfred Stein bereits in seinem "Natursteinfassaden mit Hinterschnittdübelbefestigung" Näherungsverfahren auf der Basis von Ersatzsystemen. Für Transport und Fixierung übliche Klebungen sind entsprechend DIN 18516 Teil 3 nicht erlaubt. Bei großen bzw. hohen Bauten wird heute aufgrund der bauphysikalischen Anforderungen auf Schienensysteme mit Hinterschnittdübel zurückgegriffen. Bei der Verwendung der Schienensysteme ist außerdem auf die Steifigkeit der Schienen aufgrund der Längenänderungen und Verwölbungen der Fassade infolge Temperatur zu achten.
Dieses Buch hat unterschiedliche Adressaten. Nicht zuletzt deshalb werden auch dem Anwender ausführlich die vereinfachten Berechnungsverfahren erläutert. Die Kapitel 2 bis 8 ermöglichen einen einfachen Einstieg in die Bemessung und beinhalten entsprechend einfache Berechnungsverfahren, die auch in Fachschulen Anwendung finden könnten. So werden auch Berufsgruppen, wie Techniker oder Steinmetze angesprochen.
In den Kapiteln 9 bis 13 wird den Lesern das Hintergrundwissen über die Befestigung und Plattenbemessung vermittelt, so dass sich damit auch komplexere Plattensysteme ermitteln lassen. Dieser Teil wäre dann mehr an den Ingenieur oder an Mitarbeiter eines Fachunternehmens gerichtet.
Im abschließenden Kapitel werden dann Bemessungsdiagramme für die Praxis dargelegt. Das Buch entstand natürlich in Kooperation mit den in diesem Segment allgemein bekannten Unternehmen. Dazu zählen Unternehmen, wie die Fischerwerke, Keil und IBT, die zum Teil auch wiederum oft kostenlose Bemessungsprogramme oder Hilfsdiagramme zur Verfügung stellen, um ihre Produkte attraktiver zu machen. Das Buch gliedert sich dabei in die Kapitel: Fassadenaufbau, Materialkennwerte, Belastung der Fassadenplatten, Fassadenkonstruktion, Plattenbemessung, Beispiele, Plattenbefestigung, Verankerung ..., Befestigung von Leibungsplatten, Ermittlung der Spannung, Platten auf nachgiebiger Unterkonstruktion, Elektronische Berechnungsverfahren und Diagramme und Tabellen.
Positiv anzumerken ist bei diesem Buch die Ausführlichkeit, aber auch die große Anzahl an Berechnungsbeispielen. Andererseits liegt auch hier wieder ein Schwachpunkt des Buchs, der allerdings auch nicht zur DIN 18516 offiziell gehört. Das sind ganz einfach die Lastannahmen, die nach meiner Erfahrung nicht nur dem Studenten Kopfschmerzen bereiten. Um nur ein äußerst profanes Beispiel zu nennen, was auch jeder selbst überprüfen kann: In meiner Berufspraxis ist noch nie eine Statik über meinen Schreibtisch gewandert, bei der z.B. ein Grat- oder Kehlsparren mit Lasteinzugsflächen ermittelt wurde. Auf Nachfrage schaute man mich erstaunt an: Was meinen Sie denn damit? Ich würde es begrüßen, wenn der Autor Prof. Dipl.-Ing. Stein in einer neuen Auflage im Anhang drei konkrete Beispiele in der Anwendung liefern würde, die ja auch der hoch gelobten Praxisorientierung der Fachhochschule, an der er arbeitet, gerecht werden würde. Das könnte ein einfaches Wohn- und Geschäftshaus gemäß der Abbildung Seite 114 - 117 sein und sollte erweitert werden mit einem einfachen quaderförmigen Hochhaus und mit einem komplexen Beispiel enden, welches im Extremfall in etwa dem CCTV Tower von Rem Koolhaas in Peking entsprechen könnte, weil dort die Lasten gar nicht so einfach anzusetzen sind. Hier liegt meines Erachtens noch ein hoher Handlungsbedarf in den Hochschulen, vor allem in der Fachhochschule. Studenten sollten dahingehend trainiert werden, schnell die höchst belasteten Punkte einer Fassade ausmachen zu können. Letztendlich sind wie der Autor in seinem Buch richtig anmerkt die Fassadenkonstruktionen aufgrund architektonischer Ausschweifungen in der Regel komplizierter als ein Quader oder ein Quader mit Satteldach. Ansonsten ist das so wie ein Arzt, der vorschriftsmäßig, aber blindlings irgendeine Krankheit behandelt, ohne sie aber vorab korrekt diagnostiziert zu haben. Deshalb gibt es auch nur 4 Sternchen von mir, obwohl das Buch aufgrund des Themas einen interessanten Seltenheitswert besitzt!

