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Die Lage des Landes

Die Lage des Landes
Von Richard Ford

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(15 Kundenrezensionen)

Produktinformation

  • Amazon-Verkaufsrang: #308015 in Bücher
  • Veröffentlicht am: 2007-07-16
  • Einband: Gebundene Ausgabe
  • 720 Seiten


Kundenrezensionen

Hilfreichste Kundenrezensionen

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
4Bascombe ist zurück!
Von Helga Kurz
Richard Ford bleibt den Feiertagen und, wenn sie denn zelebriert werden, deren hektisch-langweiliger Tristesse treu. Nach dem "Sportreporter" von 1986 (Ostern) und dem 1995 erschienenen "Unabhängigkeitstag" (4. Juli), gibt es nun das Buch "Die Lage des Landes", das sich um den neben Weihnachten (noch frei für einen eventuellen 4. Teil - Abschied vom Leben?) wichtigsten Familienfeiertag im Lauf eines amerikanischen Jahres rankt: Thanksgiving.

Frank Bascombe ist also wieder da. Wie schön. Er ist rund 10 Jahre älter geworden und die Sechzig ist schon fast in Sichtweite. Das erhoffte nahe Verhältnis zu seinem mittlerweile erwachsenen, noch immer aber infantilen Sohn, ein zentrales Thema in "Unabhängigkeitstag", hat sich nicht ergeben. Dafür steht ihm nun seine Tochter zur Seite. Er hat sich damit abgefunden, dass Clarissa lesbisch ist, aber jetzt ist ein Mann an ihrer Seite, der Bascombes lethargische Toleranz überfordert. Ann, die eine Zeitlang für ihn nur "X" war, seine erste Frau, ist mittlerweile verwitwet und sucht abermals seine Nähe. Aber es gibt keinen Weg zurück in die Vergangenheit, außer über die verschlungenen Wege der Erinnerung, die in der Realität nicht sichtbar und schon gar nicht begehbar sind. Der Grübler und ewige Glückssucher Bascombe weiß das nur allzu gut.

Er ist immer noch Immobilienmakler. Seine Auslassungen über Häuser, deren Marktwert und stadtsoziologische Befindlichkeiten im Lauf der Zeit füllen etliche Seiten des nahezu 700 Seiten umfassenden Werks. Das beschauliche, kleinbürgerliche Haddam hat er hinter sich gelassen. Er lebt nun mit seiner zweiten Frau Sally an der Küste in "einem Haus mit Meerblick", was in der Maklersprache für "du hast es geschafft" steht. Aber Frank Boscombe ist, wieder einmal und wie stets an Feiertagen, nicht glücklich.

Da ist der jahrzehntelang verschollene, tot geglaubte erste Ehemann seiner zweiter Frau. Kaum taucht er auf, ist Sally weg und seine erste Frau macht die Verwirrung mit ihren Annäherungsversuchen komplett. Statt eines angenehmen, ruhigen Lebens zu Beginn des frühen Alters präsentiert ihm die Gegenwart Unordnung und spätes Leid. Dazu kommt, dass seine Gesundheit vom real gewordenen Alptraum aller Männer bedroht wird. Boscombe hat Prostatakrebs (und ist damit in Gesellschaft vieler anderer Figuren männlicher, alternder Schriftsteller). Aber das amerikanische Familienfest will und soll zelebriert werden. Die Familienzusammenführung erfüllt die auf tönernen Füßen stehenden Hoffnungen jedoch wie befürchtet nicht. Thanksgiving endet im Fiasko.

Kein anderes Buch genießt zur Zeit so viel Aufmerksamkeit wie "Die Lage des Landes", ein schweres Buch mit gewichtigem Titel eines erfolgreichen amerikanischen Schriftstellers. Fast alle Zeitungen und Zeitschriften, egal ob es sich um "Die Zeit" (mit differenziertem Blick auf gewohnt hohem Niveau) oder um "Brigitte" handelt (die eher die Aspekte von "Schöner wohnen und leben mit Richard Ford" zur Geltung bringt und Personenkult betreibt), bringen groß aufgemachte Artikel über den Autor und sein neuestes Buch. In den Buchhandlungen liegen mehrseitige Flyer mit Leseproben, Lobeshymnen und Terminankündigungen über seine bald beginnende Lesereise in Deutschland aus. Jawohl, Ford kommt. Ein Superstar der Literatur. Fords Trilogie um den amerikanischen Durchschnittsmann ist unbestritten weit über dem Durchschnitt angesiedelt. Seine Bücher bereiten stundenlanges Lesevergnügen, wenn auch manche Längen überwunden werden müssen und seine Sprache munter zwischen philosophischen Betrachtungen, Männerslang beim abendlichen Absacker und markigen Maklerworthülsen hin und her springt. Dennoch sollte man die Kirche im Dorf lassen und über dem lauten Tamtam der großen Werbetrommel, die diese Neuerscheinung begleitet, nicht taub werden. Es gibt auch 2007 viele andere gute neue (und alte) Publikationen, die ebenso die Aufmerksamkeit möglichst vieler Leser verdient haben.

Ein Vergleich ist meiner Meinung nach überhaupt nicht zulässig, wenn er auch häufig bemüht wird: Frank Bascombe hat, von augenfälligen Äußerlichkeiten abgesehen, nicht viel mit Harry Angstrom gemein. So vital und wach wie sich John Updikes Rabbit auch in aussichtslos erscheinenden Situationen präsentiert, ist Bascombe selbst auf den Höhepunkten seines Lebens nicht. Um es mit den Worten des "Sportreporters" auszudrücken: Bascombe und Angstrom lieben dasselbe Spiel mit dem gleichen Ziel, aber in unterschiedlichen Ligen. Der eine ist Spieler durch und durch - der andere erzählt vom Spiel.

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
3Ausleben
Von Polar
Wer Richard Ford durch die drei Romane seines Frank Bascombe gefolgt ist, wird zugeben müssen, daß er ein großer Autor ist, der sein Land stets kritisch im Auge behält.

Erinnern wir uns daran, wie die Geschichte begann: Da gab es einen Sportreporter, der einmal Schriftsteller war, sich aber nicht für gut genug befand. Es war die schlingernde Geschichte eines Mannes, der auf der Suche nach sich war, und wie unter dem Seziermesser seine Umgebung wahrnahm.

Im Unabhängigkeitstag zum Immobilienmakler geläutert, folgten wir ihm in die Verästelungen seiner Sorgen um den Sohn, den Auswirkungen seines beruhigenden Wohlstands, den Ausflüchten wie der Entscheidung, es womöglich noch einmal mit so etwas Ähnlichem wie einer Familie zu versuchen. Ein Mann, der schon ein Kind verloren hatte, begab sich auf die Suche nach dem, was ihm als Familie geblieben war, streifte wieder durch Amerika und spiegelte es in seiner Zeit.

Nun nach den vielen Häutungen des Frank Bascombe kommt er da an, wo er vielleicht die ganze Zeit war: im Stillstand, in der Existenz des Beobachters. An Handlung hat Die Lage des Landes nicht viel zu bieten, auch wenn ein Vierzehnjähriger glaubt, mit einer Maschinenpistole in der Vorstadt Rambo spielen zu müssen und Prostatakrebs bei Frank festgestellt wurde. Die immer wieder gleichen Themen werden behandelt: der Immobilienmarkt, Bush, Bascombes Frauen, die ihn verließen, sein Sohn, die Tochter und das über knapp siebenhundert Seiten.

Wer Richard Fords Erzählungen kennt, weiß, in welch knapper Form er zu beschreiben versteht. Bei Die Lage des Landes ist ihm vieles aus dem Ruder gelaufen, zu viel will er sagen und wiederholt es, als bestände die Gefahr, dass man es übersieht. Es gibt betörend schöne Stellen in diesem Roman, kluge politische Analysen, scharfe Charakterzeichnungen, doch wirkt Bascombe mit einmal ermüdend. Daß der Autor einen Begriff wie Permanenzphase als Begriff einführt, um das Lebensalter zu beschreiben, das Frank Bascombe durchschreitet, ist traurig genug. Ausdruck, dessen was hier versucht wird.

Es fehlt die Leichtigkeit, trotz des Humors, der gelegentlich aufscheint. Bascombe nimmt sich zu ernst. Vielleicht tat er das früher schon, nur ist es da nicht so aufgefallen. Ein Roman, der einem viel Zeit abverlangt, der einen nicht unbefriedigt zurückläßt, der aber doch enttäuscht, weil die Erwartungen an ihn zu hoch waren. Leben, leben, ausleben, nimmt Bascombe sich am Ende vor. Er wird es erst wieder lernen müssen.

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
4Richard Ford nicht ganz in der Blüte seiner Jahre
Von Layla
Als erstes: ich liebe normalerweise die Bücher von Richard Ford. Sein Dahin-Sinnieren über die Welt und ihre Erscheinungsformen hat mir immer gefallen, man kann sozusagen sich mit seinen Gedanken dahintreiben lassen. In diesem Buch kommt er mir ziemlich rabiat vor, fast wie auf Speed. Man merkt, jetzt kommt das Alter und mit ihm wenig erfreuliche Begleiterscheinungen. Frank Bascombe ist nun eigentlich ziemlich desillusioniert, was an sich nicht schlecht ist. Trotzdem grenzt es manchmal schon an eine Verbitterung, die schwer zu ertragen ist. Dabei war Frank früher manchmal richtig warmherzig, aber jetzt? Lesenswert ist Ford freilich immer, weil der Mann eine enorme Bildung zuzüglich Intelligenz hat und das auch einfließen lassen kann.
Trotzdem: ellenlange Berichte über die Immobiliensituation der Gegend, - da muss man schon Durchhaltevermögen beweisen. Man wird dann aber wieder belohnt durch die eine und andere hervorragend beleuchtete Szene, besonders Familiensituationen weiss Ford hervorragend zu beschreiben. Eingeschrieben ist seinem gesamten Werk eine tiefe Melancholie. Oder ist es bloss Fatalismus? Ich weiss nicht. Es war zwar streckenweise harte Arbeit, das zu lesen,denn manche Seiten waren wirklich langweilig, - trotzdem vergisst man das Buch sicher nicht. (Mir jedoch gefiel 'Der Sportreporter' am besten!)

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