Die ersten drei Jahre Christentum
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Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #142766 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2009-10
- Einband: Gebundene Ausgabe
- 206 Seiten
Kundenrezensionen
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13 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Alter Wein in neuen Schläuchen
Von Winfried Stanzick
Gerd Lüdemann, der protestantische Ketzer, der seit Jahren mit der Evangelischen Kirche und dem Land Niedersachsen einen Rechtsstreit um die Aberkennung seiner Lehr- und Prüfungsberechtigung führt, hat schon mehrfach unter Beweis gestellt, dass er, nun in einer anderen Verlagswelt zu Hause, mit Thesen reüssiert, die einer erstaunten Öffentlichkeit glauben machen, sie seien sozusagen der dernier cri der neutestamentlichen Wissenschaft.
So auch in dem vorliegenden Buch, wo er akribisch nachweist, warum die Apostelgeschichte nicht geeignet ist zur Rekonstruktion der ersten Jahre des Christentums, sondern dass die relecture der echten Paulusbriefe für diese Rekonstruktion die bessere und authentischere Quelle darstellt.
Der Rezensent hat diese Erkenntnisse schon in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Mainzer Theologiestudent von Herbert Braun und dessen Schülern Luise Schottroff und Gerd Petzke vermittelt bekommen. Es ist mir deshalb nicht nachvollziehbar, warum dieses Buch überhaupt nötig ist außer als weiterer Publikationsnachweis eines "rebellischen" Theologen. Wobei man sich fragen kann, ob er sich überhaupt noch als solcher versteht.
Von den "ersten drei Jahren Christentum" zu sprechen, diese Zeit die "Frühzeit der christlichen Kirche" zu nennen ist nicht angemessen. Das Christentum und die Herausbildung von so etwas wie einer Kirche mit ihrer entsprechenden Hierarchie sind soziologische Phänomene, die sich viel später etablierten. In der in Frage kommenden Zeit der ersten drei Jahre nach dem Tod von Jesus gab es, durchaus konkurrierende, da hat Lüdemann recht, Bewegungen und ein jüdischer Theologe namens Paulus hat versucht, nach einem dramatischen Umkehrerlebnis, dem eine Art übergreifende Deutung zu geben, die dann letztlich siegreich war.
Der Schriftsteller Peter Henisch hat in diesem Jahr mit seinem Roman "Der verirrte Messias" eine lesenswerte fiktionale Variante dieses Geschehens bei Deuticke vorgelegt.
Mir ist nicht klar, für welche Zielgruppe dieses Buch von Gerd Lüdemann gedacht ist. Mit seinen KollegInnen aus der neutestamentlichen Wissenschaft diskutiert er seit langem nicht mehr, und für Laientheologen ist es zu speziell und exegetisch.
14 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Komplizierte Aufgabe gemeistert
Von Klaus Grunenberg
Da hören wir uns als Christen von Kindesbeinen artig die einzelnen Lesungen und Ausschnitte der Evangelien an und dann kommt die Forschung und berichtet von späteren Einschüben, die ganz gezielt angestellt und eingebaut wurden.
Hier, in diesem Buch werden nun Lukas und Paulus ins Visier genommen. Dabei geht es in erster Linie um die Anfangszeit der Entwicklung des Christentums aus einem religiösen jüdischen Umfeld heraus.
Gerade Lukas, der in seinem Evangelium die schöne märchenhafte Erzählung um die Geburt Jesu aufschreibt (wohlgemerkt als gebildeter Heide und Arzt), gerade er, der uns immer wieder vorgeführt wird und an dessen Ende einer schönen Erzählung der Priester froh der Gemeinde zuruft (der ruft es natürlich nach jedem anderen Evangelium ebenfalls), nämlich: "Verbum domini!", also "Wort Gottes!" und die Gemeinde antwortet:"Dank sei Gott!", gerade Lukas hat mir immer sehr gefallen (neben Johannes).
Nun, da darf man gespannt sein, was noch alles ans Tageslicht kommen wird und es ist dennoch schon jetzt auszumachen, dass sich die Menschen, das wette ich, diese wunderschönen heiligen Geschichten nicht nehmen lassen wollen. Das macht auch nichts, wenn klar wird, dass es bedeutsame Geschichten sind, die Symbolgehalte aufweisen und die Symbole bedürfen dann einer Erklärung. Genug Arbeit für Priester, Pastoren und Religionslehrerinnen, Religionslehrer bzw. Ethiklehrer.
Allein der Titel des Buches von Professor Gerd Lüdemann: "Die ersten drei Jahre Christentum" ist etwas irreführend, denn die Aufzeichnungen der Evangelien und der Apostelgeschichte bzw. der paulinischen Briefe zog sich, soweit ich informiert bin, über etliche Jahrzehnte hin.
Trotzdem: es ist herzerfrischend, wenn man im NT nachschlagen darf, was echt und was unecht ist und man droht heimlich den einstigen tüchtigen Lehrern (vielmehr, man zahlt es ihnen jetzt heim, weil sie einem früher manchmal etwas vorgemacht haben). Unschuldig sahen sie und sehen sie schon aus dabei, immer noch.



