Ein Buch namens Zimbo: Sie werden kaum ertragen, was Ihnen mitgeteilt wird. Texte 2007-2008, einer von 2006, vier von 2009
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Produktbeschreibung
Sie werden kaum ertragen, was Ihnen mitgeteilt wird
Erscheinungsjahr: 2009
Gewicht: 290 gr / Abmessungen: 205 mm x 125 mm
Von Goldt, Max
«Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet.» (Daniel Kehlmann)
«Warum ich, obwohl ich schlecht lesen kann, begonnen habe zu schreiben, kann ich nicht gut sagen. Weiß nicht hat sich so ergeben. Spät hat es sich ergeben: Als ich mein erstes Stück Literatur verfasste, das über einen Songtext, ein Gedicht oder einen Sketch hinausging, war ich knapp dreißig. Ich dachte wohl: Mal sehen, ob es möglich ist, der Neigung meines Temperaments zum Schieben einer ruhigen Kugel für ein, zwei Tage einen Riegel vorzuschieben und dem ständigen Gedankengang, an dem ich mich meist erfreue, selten auch mal leide, einen irgendwie gearteten Prosaklumpen abzutrotzen. Das Stück hieß Zehn hoch achtundfünfzig und es ging darin, soweit ich mich entsinne, ums Universum und um meine Hose. Genaueres kann ich nicht sagen, denn ich würde schwitzen wie nach dem Genuss eines stark gewürzten asiatischen Gerichtes, wenn ich mir den Text noch einmal anschauen müsste. Was ich danach geschrieben habe: Auch schwer zu sagen, doch glaube ich, unter anderem einen hoffentlich verzeihlichen Hang zur hoffentlich nicht allzu platten Gesellschaftskritik entwickelt zu haben, wobei ich Gesellschaftskritik nie mit System- oder Regierungskritik verwechseln wollte, denn Gesellschaftskritik, die das Grölen von Fußballfans in Bahnhöfen ganz unerwähnt lässt, ist keine.» (Max Goldt, aus der Dankesrede zum Kleist-Preis)
Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #155730 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2009-09-18
- Einband: Gebundene Ausgabe
- 208 Seiten
Kundenrezensionen
Hilfreichste Kundenrezensionen
24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Von kalten Sägen und feuchtem Brot - Grandios!
Von S. Schulze-Ketelhut
Durch das Titanic Magazin bereits mit der Schreibe Goldts vertraut und diese schätzend, las ich vor kurzem, angeregt durch eine Anzeige in selbiger Publikation, den neuen Goldt "Ein Buch Namens Zimbo". Wie oft ich bei der Lektüre still geschmunzelt und laut gelacht habe angesichts des wachen Autorenauges und einem grandiosen Umgang mit Sprache und Humor, entzieht sich meiner Erinnerung.
Fest steht, dass ich die Sammlung der kurzen Abhandlungen in einem als Hochgefühl zu beschreibenden Gemütszustand gelesen habe. Goldt wählt die Themen für seine mit spitzer Feder geschriebenen, dabei jedoch keineswegs bitter-satirischen Kurzbetrachtungen aus der eigenen Alltagserfahrung heraus. Wie er sich angesichts einer Röntgenkontrolle am Flughafen in eine sprachlich auf höchstem Niveau geschilderte Assoziationskette hineinschraubt, die in Betrachtungen über die Streichfähigkeit von Schnee mit osteuropäischem Akzent ihren Höhepunkt findet, sehe ich mich hier weiter zu beschreiben außerstande. Dieses Lektüreerlebnis sollte sich der wache Geist mit einer Antenne für feinen Humor (also den jenseits des Deutschen Comedypreises) nicht entgehen lassen, sondern selbst erlesen.
Ich bin versucht, weiter anhand von Beispielen den waghalsig mäandernden Aufbau der Kurzbetrachtungen oder die hohe Qualität von Vokabular und Satzbau Goldts zu belegen, halte mich jedoch aus Respekt vor dem Autor an die Klappentextermahnung von Karlo Tobler: "Zitiere nie Max Goldt zum Scherz, denn er fühlt wie Du den Schmerz." Nur soviel sei gesagt: Jeder, der sich je Gedanken zu Blogs, Billigfliegern, DSDS, der deutschen Debattenkultur, Kuriertaschen oder dem öligen Film gemacht hat, der sich über Nacht auf stehen gelassenem Tee bildet, ist dieses Buch wärmstens zu empfehlen.
Auch auf Wiederholungsgefahr hin muß unterstrichen werden, auf welch sprachlich hohem Niveau Goldt seinen wunderbaren, klugen Humor präsentiert. Um einen falschen Eindruck zu vermeiden - bei Goldt handelt es sich jedoch nicht um einen intellektualisierenden Satiriker, der aus der Distanz über Populärkultur ätzt. Bisweilen geradezu still und zurückhaltend, dafür umso eindringlicher und gewinnender, bereitet er seine Pointen vor und seine "teilnehmende Beobachtung" am Leben auf. Zur Frage nach dem Wesen von Humor und Satire und als Kommentar zu seinem bisherigen Werk ist als schönes Bonbon im "Buch Namens Zimbo" der Volltext der Rede enthalten, die Goldt 2008 nach Erhalt des Kleist-Preises in Frankfurt hielt. Kurz: Eine Sammlung von wilden Kurzessays, nach dessen Lektüre man sich eine kleine Freudenträne aus dem Augenwinkel tupft - und "Zugabe" rufen möchte wie ein Sechsjähriger im Zirkus.
34 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Kein Flop trotz Flip-Flops
Von Epikurs Geist
Goldt bringt mich mit jedem neuen Buch darauf, was mir ohne Goldt an Köstlichkeiten in meinem Leben als Leser und Zeitgenosse entgehen würde. "Ein Buch namens Zimbo" ist seine jüngste, fast durchgehend erquickliche Sammlung von Texten. Für meinen Geschmack enthält sie mit "King Kong in Flip-Flops" den einzigen mauen Beitrag. Goldt präsentiert darin einige Ideen, die er eigentlich zu Recht verworfen hatte. Nun lässt er uns in gewohnt leuchtenden Worten doch daran teilhaben, hat somit unter anderem einen nicht ur - sondern unkomischen "Riesengorilla" in der Größe eines 6-jährigen Knaben vom Tisch. Den mag man nun als Leser adoptieren oder ihn samt seiner Flip-Flops des Hauses verweisen. In meinem Fall: das Letztere! Drumherum glänzt jedoch alles, was Goldt heißt und will wie bester Champagner genossen werden.
Ich lachte beim Lesen über die Vorstellung von Kindern, die "bei Tag und Nacht Einser-Zeugnisse nach Hause bringen", Goldt erinnerte mich in diesem Band an eine kurze Phase der jüngeren Geschichte, in der wir unsere Siebensachen in Plastiktüten mit uns herumtrugen, er ermutigt Heranwachsende dazu, bei der rhetorischen Frage: "Du willst wohl was Besseres sein!?" ein "Ja!" nicht auszuschließen, und geistreich nimmt er verpasste Fernsehbeiträge, die er sich dann bei YouTube ansieht, unter die Lupe. Bei Letzterem zeigt sich übrigens deutlich, welch besonderen Reiz es hat, es mit dem jeweils aktuellsten Goldt zu tun zu haben, stößt man doch bei der Lektüre auf Themen, über die man sich jüngst selbst erst Gedanken gemacht hat, noch relativ frisch dabei ist - oder eben nunmehr durch Goldt munter animiert wird, dieses Versäumnis nachzuholen.
Stets - und somit auch hier - gerne gesehen: die real-biographischen Einsprengsel des Autors, die es z.B. in der gefühlten Zugabe des Buchs gibt, Goldts Rede beim Empfang des Kleist-Preises.
Ich gehöre übrigens zu jenen (eventuell prozentual zu vernachlässigenden) Goldt-Lesern, die nicht von einem Goldt-Roman träumen. Goldt ist ein Meister der kurzen Form und fühlt sich hier zu Hause. Auf eine Reise ins Epische würde ich ihn zwar auch begleiten, doch darf er sich mindestens ebenso gerne für den Rest seiner Tage auf geistreiche "Spaziergänge" beschränken und uns darin über seine spezielle Sicht auf die großen und scheinbar kleinen Dinge des Alltags/Lebens informieren. Niemand macht das in einer solch einzigartig-herrlichen Mischung aus literarischem Können, Drolligkeit und Tiefsinn wie er.
36 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Ein Buch wie ein sehr guter Freund
Von junior-soprano
Pünktlich zu seinem 51. Geburtstag wurde das neue Max Goldt Werk "Ein Buch namens Zimbo" am 18.9.09 veröffentlicht. Da ich keine "Mittwochsmemme" bin (was das ist hat Goldt sehr schön in einem älteren Text in einem anderen Buch geschildert), warte ich nicht auf die Taschenbuchausgabe, sondern hielt das Hardcover-Buch mit Lesebändchen bereits am 17.9.09 in Händen, was entweder daran lag das der Erscheinungstermin falsch angegeben war oder die Auslieferung früher erfolgte. So fühlte es sich an wie ein Rezensionsexemplar, was bei einem Max Goldt Werk wirklich sehr schmeichelhaft wäre. Ich hatte sehr lange auf neue Texte von Goldt gewartet, und meine grosse Vorfreude wurde von um so grösserer Begeisterung nach der Lektüre der 24 Texte abgelöst. Mit 197 Seiten ist "Zimbo" nicht nur etwas dicker als seine Vorgänger "Zauber" und "QQ", sondern auch wieder durchgängig gelungen und es gibt wieder mehr Passagen, über die ich laut gelacht habe. Trotzdem gilt, hier wie auch allgemein für Goldts Texte, das Zitat von Karlo Tobler auf der Buchrückseite: "Zitiere nie Max Goldt zum Scherz, denn er fühlt wie du den Schmerz". Die 23 Titanic-Essays und die Dankesrede für den Kleist-Preis sind mal klug, mal albern (King Kong in Flip-Flops), ernst und lustig, eben wie die typischen Goldt-Aufsätze.
Nicht immer schafft es der Autor, trotz vieler wirksamer Aufrufe zum Nach- und Umdenken, überzeugend zu argumentieren. Wenn er etwa keinerlei positiven Gründe für das Rauchen von Zigaretten findet, dann mag das reichen, um einen unterhaltsamen Text zu schreiben, für eine tiefgreifende Beschäftigung mit dem Thema ist seine Argumentation zu einseitig und oberflächlich. Nikotin wirkt z.B. anti-depressiv. Depressionen sind ein auffällig oft behandeltes Thema in diesem Buch. Für einen Autor, der sich so leidenschaftlich mit Popmusik und Themen junger Erwachsener beschäftigt wie Goldt, ist das Altern immer öfter Thema. Trotz mitunter leicht gedämpfter Lebensfreude sind Goldts Texte immer noch sehr tröstlich, inspirierend, amüsant und sehr empfehlenswert! Nicht nur sprachlich ist Max Goldt in einer ganz anderen, nahezu unerreichbar hohen, Liga als die gehetzt wirkenden Menschen, die in Deutschland als lustig präsentiert werden. Wäre dieses Buch eine CD, dann würde ich auf Rick Rubin als Produzenten tippen, hier wird Max Goldt mit dem präsentiert, was er am besten kann und was am typischsten für ihn ist. Nicht innovativ, aber sehr gelungen!
5 Sterne gibt es dann, wenn Max Goldt sich öfter auf noch nicht so oft, von ihm, beackerte Felder begibt, ein Roman wäre trotz Konzentrationsschwäche des Autors wünschenswert.



