Payback: Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen
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Produktbeschreibung
Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen. Für den Preis der Leipziger Buchmesse, Kategorie Sachbuch/Essayistik 2010 nominiert
Erscheinungsjahr: 2009
Gewicht: 426 gr / Abmessungen: 215 mm x 135 mm
Von Schirrmacher, Frank
Warum sind wir im Informationszeitalter gezwungen zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie gewinnen wir die Kontrolle über unser Denken zurück?
Was wollte ich gerade tun? Wieso haben die Dinge kein Ende mehr? Was geschieht mit meinem Gehirn? Fast jeder kennt die neue Vergesslichkeit und die fast pathologische Zunahme von Konzentrationsstörungen. Dahinter steckt sehr viel mehr als nur Überforderung. Wir wissen mehr als je zuvor und fürchten doch ständig, das Wichtigste zu verpassen. Der Mensch ist nicht nur ein Fleisch- und Pflanzenfresser, er ist auch ein Informationsfresser. Informationen sind Vorteile und in der Informations-Nahrungskette siegt der, der am schnellsten und effektivsten Nachrichten sendet und empfängt. Aber diese neue Form des Darwinismus führt dazu, dass wir nicht mehr unterscheiden können, was wichtig ist und was nicht. Wir rufen unsere ganze Lebensbahn immer stärker wie Informationen ab und zerstören so unsere Fähigkeit, mit Unerwartetem umzugehen. Die Frage lautet, ob wir bereits begonnen haben, uns selbst wie Computer zu behandeln, und ob wir damit Gefahr laufen, den Menschen in mathematische Formeln zu verwandeln ...
Nicht die Technologien sind Schuld, sondern die Tatsache, dass immer häufiger nur noch das im Menschen gefordert und gefördert wird, was mit den Rechnern kompatibel ist. Eine Welt ohne Informationstechnologie ist nicht vorstellbar. Aber die pure Koexistenz von Mensch und Computer führt zum Sieg der k
Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #33079 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2009-11-16
- Einband: Gebundene Ausgabe
- 240 Seiten
Kundenrezensionen
Hilfreichste Kundenrezensionen
113 von 124 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Es hätte gereicht ein Interview des Autors zu hören ...
Von W. Öschelbrunn
Frank Schirrmacher hat mit "Payback" zum wiederholten Mal ein Gespür für die Megathemen unserer Zeit bewiesen. Wie verändert sich unser (Alltags)leben durch die modernen Kommunikationsmethoden und inwieweit sollten bzw. können wir Einfluß auf die Richtung und das Ausmaß dieser Veränderungen nehmen. "Payback" hat es in kürzester Zeit auf die vorweihnachtlichen Bestseller-Listen geschafft, u.a. auch durch eine sehr gelungene mediale Untermalung. Ich bin selber durch mehrere sehr interessante Fernsehauftritte des Autors auf dieses Buch aufmerksam geworden. Leider mußte ich beim Lesen des Buches dann aber feststellen, dass sich der Inhalt des Buches in einem 30-minütigen Fernsehinterview bereits vollständig erschöpft und ich in der gedruckten "Langfassung" dann kaum noch neue Informationen oder Gedanken gefunden habe. Ein wenig hat mich diese Situation an einen Kinofilm erinnert, bei dem der Werbetrailer bereits alle Filmhighlights vorwegnimmt.
Die Kernaussagen des Buches lassen sich kurz zusammenfassen: Das Internet und die sonstigen neuen Informationsmedien haben unser Leben genausostark verändert, wie die Industrialisierung das Arbeitsleben am Beginn des ketzten Jahrhunderts. Multitasking, Informationsoverflow etc. führen zur Gefahr den "modernen Menschen" nicht nur im alltag zu überfordern, sondern ihn auch in der Ausübung seiner eigentlichen Kernkompetenzen (Kreativität, abwägendes Beurteilen, Spontanität) zu schwächen. Schirrmacher führt einige sehr plastische Beispiele an. Insgesamt bleibt er mir aber zu sehr im Leitartikel-Stil, d.h. die jeweiligen Kapitel sind wenig strukturiert. Die Darstellung von Fakten und Beispielen ist nicht abgegrenzt von der Kommentierung. Er springt zwischen den Thesen und streut häppchenweise Zitate ein, ohne die Gedanken dann wirklich einmal detailliert zu entwickeln. Der Stil dieses Buches hat mich tatsächlich an die Nutzung des Internets erinnert: Man klickt sich relativ schnell durch gut lesbare, kurze Abschnitte deren Informationen zum Teil überlappend sind, so dass sich dann mosaikartig so etwas wie ein Gesamtbild zusammensetzt. Dieses Gesamtkunstwerk erinnert aber eher an einen sehr grob gewebten Flickenteppich.
Insgesamt kommentiert Schirrmacher mehr als er wirkliche "Beweise" für seine Thesen anführt. Neben einigen wirklich augenscheinlichen Beobachtungen bzw. Studienergebnissen führt er zumeist Zitate von Experten unterschiedlichsten Fach-Hintergrunds an. Diese Form der Beweisführung halte ich - als Naturwissenschaftler - für sehr fragwürdig. Ich hätte mir gewünscht, dass Schirrmacher etwas mehr Rohdaten aufführt, so dass dem Leser auch die Möglichkeit gegeben wird, zu einer eigenen Einschätzung zu kommen. Die überzeugensten Buchpassagen sind aus meiner Sicht genau diejenigen, in denen Schirrmacher weniger kommentiert sondern vielmehr Studien im Detail zusammenfaßt und in einen Kontext stellt. Diese Herangehensweise hätte ich mir als Grundtenor des Buches gewünscht.
Ein Stück weit ist der Autor mit seinem Buch auch in die (im Buch selber beschriebene) Powerpoint-Falle getreten, indem er stark vereinfacht und sich auf griffige (kurze) Statements konzentriert und diesem Wunsch nach guter Lesbarkeit (in Form gut verdaubarer "read bites") dann die harten (und eventuell nicht so logisch-linearen) Fakten geopfert hat. Z.B. führt Schirrmacher immer wieder die Problematik der Algorithmen auf, die von Suchmaschinen wie Google genutzt werden und dadurch das Ergebnis präjudizieren bzw. die Ergebnisse vorfiltern basierend auf Prinzipien die den Sucher somit in seiner Entscheidungsfreiheit beschränken. Dieses ist in der Tat eine der völlig unterschätzen Gefahren im Google-Zeitalter, allerdings hätte sich Schirrmacher tatsächlich die Mühe machen müssen, etwas genauer auf die Basis dieser Algorithmen einzugehen anstatt immer diffus von mathematischen Funktionen zu sprechen. Man hat den Eindruck, dass der Autor einem möglichen Massenpublikum nicht zuviele Details zumuten wollte, schon gar nicht wenn diese mathematischer Natur sind. Der Erfolg der Bücher Stephen Hawkings zeigt aber, dass dieses durchaus möglich ist.
Formal ist das Buch in zwei Hauptabschnitte untergliedert: Einem ersten, das Problem beschreibenden Teil, sowie einem zweiten Teil der Lösungsansätze umfassen soll (aber nur rudimentär tut). Ich hätte mir gewünscht, dass auch im zweiten Teil Schirrmacher mehr fokussiert und konkret wird. Auch hier fühlte ich mich zu sehr an Leitartikel erinnert, die in der Regel sich in allgemein gültigen Lösungsvorschlägen erschöpfen und sich zu selten intellektuell auf die tatsächlichen Mühen der Eben einlassen.
Insgesamt vergebe ich 2 Sterne.
153 von 180 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
1:0 für den Computer
Von Thomas Holtbernd
Den Titel des Buches versteht man nicht unbedingt. Doch es lohnt sich, zahlt sich aus, dieses Buch zu lesen. Norbert Bolz hat im Prinzip schon vor einigen Jahren das Thema ausführlich abgehandelt, doch Frank Schirrmacher macht es einfacher. Seine Hauptthese ist, dass wir in einem Zeitalter des Multitaskings leben und dies uns überfordert. Den Kampf mit dem Computer werden wir verlieren. Wie wir mittlerweile auch wissen, gibt es ein Multitasking gar nicht, auch Frauen sind dieser "Sache" nicht fähig. Wir müssen ständig entscheiden, welche Information wichtig ist und erleben, dass amazon, google usw. uns diese Arbeit inzwischen abnehmen. Frank Schirrmacher macht uns eindringlich darauf aufmerksam, dass wir darauf schauen müssen, was sich in unserer Art des Denkens durch den Computer verändert. Seine These ist, dass wir das Denken ausgelagert haben und deshalb Denken mit Informationsaufnahme verwechseln. Wir müssen akzeptieren, das der PC einfach manche Dinge besser kann. Der Mensch jedoch ist zum Chaos fähig, d. h. er kann von der Norm abweichen. Hierin liegt nach Schirrmacher die Chance im Umgang mit dem Computer. Der Mensch ist für Überraschungen gut, der PC fürs Rechnen. Und daher sollten wir uns nicht mit dem Computer vergleichen, sondern die Unterschiede klar machen.
Schirrmacher ist Journalist und deshalb kann man ihm verzeihen, dass er manche Ansätze nicht weiter vertieft. Wichtig ist es, dass wir in eine konstruktive Auseinandersetzung einsteigen, das Informationszeitalter nicht verteufeln, sondern es dem Menschen zu Nutze machen. Es ist zu wünschen, dass die von Schirrmacher angeregte Diskussion weiter fort geführt wird und damit an mehr Tiefe gewinnen wird.
44 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Viele uneingelöste Versprechen
Von JKH
Eines muss man Schirrmacher lassen: Sein Gefühl dafür, in der Luft liegende Themen als erster massentauglich aufzugreifen und dadurch längst überfällige Debatten auszulösen, ist unschlagbar - ob Demographie, Familie oder jetzt die totale Digitalisierung des Alltags. Mit "Payback" hat der FAZ-Herausgeber einen Schwerpunkt gewählt, der uns alle angeht: Wer hat nicht das Gefühl, zu viel Zeit vorm Computer zu vertrödeln? Wer kennt nicht die Gewissensbisse, wenn man sich eine halbe Stunde ziemlich sinnlos in einem sozialen Netzwerk von Profil zu Profil geklickt hat? Und genießen wir nicht eigentlich viel eher die Computer-freie Zeit, ohne Klingeltöne, Ablenkung und künstliches Bildschirmlicht, können uns aber trotzdem nicht überwinden, die ganzen technischen Gadgets beiseite zu legen? Insbesondere der zweite Halbsatz des Untertitels von "Payback" klingt verheißungsvoll: Schirrmacher gelobt nicht weniger, als der vom PC in Versuchung geführten Sucht-Gemeinde den Weg zu weisen, wie sie "die Kontrolle über ihr Denken zurückgewinnt". Der Klappentext verspricht gar "bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse".
Und genau hier drückt der Schuh: Schirrmacher weckt hohe Erwartungen, doch sein knapp 250 Seiten schmales Werk kann die Versprechen nicht im Ansatz einlösen. Wer sich auf das sehr hohe Ross des Erlösers von allen technischen Qualen schwingt, darf nicht überrascht sein, dementsprechend tief zu fallen. Ist "Payback" denn nun ein Sachbuch? Dafür entpuppen sich die "bahnbrechenden wissenschaftlichen Erkenntnisse" als zu vorhersehbar. Was Schirrmacher an Studien auftischt, ist längst in das Allgemeingut eines durchschnittlich gebildeten Lesers übergegangen: Wir haben uns durch das Internet an kürzere Texte gewöhnt, dadurch nimmt die Geduld mit längeren Texten ab - Skandal! Wer sich mit ständig mit klingelnden Handys, blinkenden Internet-Tabs und piependen Haushaltsgeräten umgibt, büßt an Konzentration ein - sensationell! Und manchmal sind Technik-Benutzer sogar so beeinflussbar, dass sie Computer unbewusst vermenschlichen - unerhört! Das stellt ungeachtet der durchaus alamierenden Folgen nun wirklich nicht das abendländische Weltbild auf den Kopf - abgesehen davon, dass wir auch ganz ohne Computereinsatz tagtäglich in den schlichtesten Supermärkten dieser Welt Manipulationsversuchen ausgesetzt sind. Natürlich sind Studien, die solche Effekte belegen, hilfreich und sollten gar als Warnsignal verstanden werden. Jedoch hätte auch ohne "Payback" niemand den immensen Einfluss der Computer bestritten. Nein, für ein Sachbuch kratzt "Payback" zu sehr an der Oberfläche und ist - vielleicht noch entscheidender - viel zu einseitig.
Diese Einseitigkeit, welche die gegenteiligen Effekte des Internets elegant unterschlägt, ist kein Mangel an sich. Doch dann müsste man es wohl mit der Kategorie "Streitschrift" versuchen - und auch da kann Schirrmacher nicht punkten. Immerhin hat der Autor hier volle 250 Seiten lang Gelegenheit, seine Thesen unwidersprochen an den Mann zu bringen. Ein Luxus, den man im Fernsehen oder im Internet nur selten erfährt. Bei so viel Spielraum für eine einseitige Darstellung darf der Leser dann aber auch erwarten, eine überzeugende Argumentation zu Gesicht zu bekommen. Doch die Panik-Attacken angesichts der Schirrmacher'schen Apokalypse halten sich in Grenzen. Schirrmacher will die ultimative Bedrohung der vielen im Internet erhobenen Daten heraufbeschwören. Sicher wird einem mulmig, wenn man sich vorstellt, die Google-Daten fielen personalisiert einem skrupellosen Erpresser in die Hände. Aber das ganze Leben ist ein einziger Vertrauensbeweis gegenüber anderen - nicht erst seit der Erfindung des PCs. Heute muss man darauf vertrauen, dass private Fotos aus sozialen Netzwerken nicht in falsche Hände geraten. Früher war man darauf angewiesen, dass die neugierige Mitarbeiterin eines Fotostudios intime Bilder für sich behält und nicht nach eingehender Betrachtung ihrem Freundeskreis zugänglich macht. In beiden Varianten geschieht Unrecht und in beiden Fällen, heute wie damals, ist Vertrauen mit Risiko verbunden. Datenmissbrauch ist durch den Computer sicher einfacher geworden, aber man muss nicht so tun, als hätte es ihn vorher nicht gegeben oder er sei weniger schwerwiegend gewesen. Auch als flammende Streitschrift kann Schirrmacher mangels schlagkräftiger Argumente also nicht überzeugen - dabei hat der Autor sich eigentlich auf die richtige Seite geschlagen.
Bleibt die Kategorie "Ratgeber" - immerhin ist da ja noch dieses Versprechen, Schirmmacher wisse, wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen. An der Antwort darauf hat er sich im kürzeren zweiten Teil abgearbeitet, auf dem nach enttäuschendem Auftakt alle Hoffnungen ruhen. Doch über das triviale und nebulöse Statement, man müsse die Menschen in den Disziplinen fördern, in denen sie dem Computer überlegen seien (also eher kreative Tätigkeiten), kommt Schirrmacher nicht hinaus. Wie man das vom Autor griffig als Körperverletzung gegeißelte Multitasking vermeidet, darüber hat sich Schirrmacher leider keine Gedanken mehr gemacht. Stattdessen singt der Autor dasselbe technikfeindliche Klagelied wie im ersten Teil - und erweckt damit genau den Eindruck, den er unbedingt vermeiden will: Den des nörgelnden Opas, der nicht mehr so richtig mitkommt. Auch als gelungener Ratgeber kommt "Payback" damit leider nicht infrage.
Ein wohlwollendes Urteil über dieses Buch könnte lauten: Schirrmacher hat einen leicht verdaulichen Einstieg in eine hochbrisante Thematik mit einigen erhellenden Abschnitten geschrieben. Weniger wohlwollend ließe sich aber auch sagen: "Payback" ist nicht der versprochene Ratgeber für einen ausgewogenen Umgang mit Technik, sondern wärmt kalten Kaffee in Buchformat auf, der auch problemlos in einen kompakten Essay gepasst hätte. Schirrmacher bedauert den Niedergang der Konzentrationsfähigkeit, die für die Lektüre von Büchern erforderlich ist. "Payback" jedenfalls ist keine Werbung dafür, diese wieder verstärkt zu trainieren.



