Hände hoch, oder ich schieße
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Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #23381 in DVD
- Erscheinungsdatum: 2009-11-16
- Bewertung: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
- Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
- Formate: HiFi Sound, PAL
- Anzahl Disks: 1
- Länge: 80 Minuten
Kundenrezensionen
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der letzte DEFA-Verbotsfilm: Ein 60er Jahre DDR-Zeitzeugnis und Erinnerung an großartige Schauspieler
Von Lutz Zander
"Hände hoch oder ich schieße" geriet im Januar 1966, zusammen mit einigen anderen DEFA-Filmen, in die Mühlen des berüchtigten 11. Plenums des SED-Zentralkomitees.
Eigentlich als Wirtschaftstagung gedacht, geriet diese Parteiveranstaltung allerdings zunehmend zu einer Art Generalabrechnung mit kritischen DDR-Kunst- und Kulturschaffenden, in deren Folge fasst alle aktuellen DEFA-Filmproduktionen verboten wurden, deren Regisseure und Autoren es wagten, zum Teil sehr offen einige in der DDR-Gesellschaft der 60er Jahre tabuisierte Themen anzusprechen.
Ursprünglich war dieser Streifen als eine Art heiteres Intermezzo zwischen den vergleichsweise ungleich schwergewichtigeren Produktionen "Das Kaninchen bin ich" und "Spur der Steine" gedacht gewesen.
Während die Wieder- beziehungsweise Uraufführung dieser beiden Filme, sofort und gleich nach der Wende stattfand, dauerte das im Fall von "Hände hoch oder ich schieße" bis zum Jahr 2008.
Erst zu diesem Zeitpunkt war es der DEFA-Stiftung gemeinsam mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv möglich geworden, die überlieferten Negativ- und Positivmaterialien zu sichern und eine Kinofassung auf der Grundlage des Original-Drehbuchs anzufertigen.
Inhalt:
In der Gangsterkomödie verzweifelt Holmes (Rolf Herricht), ein hoch motivierter Volkspolizist, an seinem verbrecherlosen idyllischen Dorf namens Wolkenheim (in der Realität übrigens die Drehorte Naumburg, Quedlinburg, und Stolberg), das von allen Städten der DDR die niedrigste Kriminalitätsrate hat.
Während Holmes deshalb von einer Art Sinnkrise über die Notwendigkeit seines Berufsstandes befallen wird, versucht sein guter Freund und Ex-Ganove Pinkas (Zdenek Stepanek) dem gelangweilten Kriminalbeamten zu helfen. Gemeinsam mit seinen über die Jahre längst ehrlich durchs Leben gehenden Gaunerfreunden, täuscht er einen Raub des wertvollen Denkmals vom Marktplatz des Ortes vor.
So bekommt Holmes endlich den Fall seines Lebens...
Jüngere Zuschauer werden möglicherweise mit dem Blick von heute erstaunt fragen, warum die ablehnende Haltung zu diesem Film so groß war, dass man ihn gleich alternativlos verbieten musste.
Die Dialoge sind geradezu gespickt mit kleinen Spitzfindigkeiten gegen die offensichtlichen Widersprüche in der damaligen Zeit.
Beispiel: In der Filmszene als Holmes sich wieder einmal über die seiner Meinung nach unmöglichen Kriminalitätslosen Zustände bei seinem Kripochef (Bruno Carstens) beschwert, antwortet dieser ihm sinngemäß folgendes: "Bei uns denken die Menschen gar nicht an so etwas wie Kriminalität! Wir leben schließlich in einer geschlossenen Gesellschaft!".
Worauf ihm Holmes antwortet: "Jawohl, Hauptmann Wernicke!".
Die letzte Bemerkung war natürlich eine rein ironische Anspielung auf die Filmrolle die Bruno Carstens in der DDR-Krimireihe "Blaulicht" spielte. In den dort behandelten Fällen galt bis zum Mauerbau die Devise: Wenn es Kriminalität in der DDR gibt, dann kommt sie vom Westen und ist ganz entscheident von dort beeinflusst!
Jetzt, gut fünf Jahre später 1965/66, konnte es also in der nach Westen hin abgeschirmten "geschlossenen Gesellschaft" DDR folglich auch keine Kriminalität mehr geben.
Solche und andere heute eher harmlos wirkende textliche Anspielungen, waren damals Grund genug "Hände hoch oder ich schieße" zu verbieten und jahrzehntelang im "Giftschrank" der DEFA unter Verschluss zu halten.
Der Schauspieler Herbert Köfer, der im Film die Rolle von "Heuschnupf dem Aas" verkörperte, erinnerte sich als einer der letzten noch lebenden männlichen Hauptdarsteller in seiner im Jahr 2008 erschienenen Biografie: "Es gab vieles, was den Oberen in diesem Film nicht passte, und so fiel bereits die Rohfassung wie andere DEFA-Werke dem 11. Plenum 1965 zum Opfer. Schade. Ein guter, sehr lustiger Film ging den Kinobesuchern verloren."
Dieser Einschätzung kann ich wirklich nur voll und ganz zustimmen.
Schade auch dass viele der mitwirkenden hervorragenden Schauspieler, die damit auch in der kleinsten Rolle einen ganz entscheidenten Einfluss auf die Qualität des Films hatten, seine öffentliche Uraufführung nie erleben konnten, da sie leider bereits verstorben sind. Neben Rolf Herricht sind hier vor allem Zdenek Stepanek, Gerd Ehlers, Axel Triebel, Gerd E. Schäfer, Eberhard Chors, Agnes Kraus, Hans-Joachim Preil, Fred Delmare oder Edwin Marian zu nennen.
Zu den einzigen noch lebenden Hauptdarstellern zählt neben Herbert Köfer, Manfred Uhlig in der Rolle des Bürgermeisters, sowie Evelyn Cron die als Holmes heimliche Liebe Lucie zu sehen ist.
Übrigens: Auch Autor Rudi Strahl und Regisseur Hans-Joachim Kasprzik konnten die endgültige Fertigstellung und Veröffentlichung ihres gemeinsamen Werkes nicht mehr erleben. Strahl starb am 04. Mai 2001 nach langer Krebskrankheit in Berlin und Kasprzik bereits am 10. Oktober 1997 an den Folgen eines Schlaganfalls.
In einem 12- seitigen der DVD beiliegenden Booket sind weitere interessante Einzelheiten zur Entstehungs- und Verbotsgeschichte dieses Films, sowie Kurzbiografien von Autor und Regisseur nachzulesen.
Bildbewertung:
Das Schwarz/Weiß-Bild des Films mit einer Gesamtlaufzeit von 76 Minuten wurde im Format 16:9 aufgespielt. Es weist auf Grund der geringen Abnutzung des Originalfilm-Materials und einer ausgezeichneten digitalen Rekonstruktion, geringe bis keine sichtbar wahrzunehmenden Schäden auf.
Allerdings wäre es schön gewesen wenn bei der DVD-Umsetzung des Bildes, etwas genauer auf die Seitenverhältnisse rechts und links geachtet worden wäre. Leider fehlte es hier offensichtlich ein wenig an dem dafür notwendigen Feingefühl und dem Sinn für Details. Zu einer ähnlichen Beurteilung werden sicher all jene gekommen sein, die Gelegenheit hatten den Film zuvor im Kino zu sehen.
Als Bonus befinden sich auf dieser Silberscheibe aus dem DVD Menü heraus einzeln anwählbare Trailer, Biografien und Filmografien der Filmschaffenenden.
Tonbewertung:
Der Ton in Mono-Dolby Digital 2.0 ist sauber und klar verständlich vorhanden. Die natürliche Klangfärbung in den Höhen, Tiefen, Bässen u.s.w. blieb auch nach seiner Bearbeitung erhalten.
Gesamturteil:
Auf den ersten Blick ist "Hände hoch oder ich schieße" unbestreitbar ein überaus sehenswerter und gelungener Unterhaltungsfilm. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass er damit auch ein ganz kleines Stück echter vergangener DDR-Zeit-Geschichte repräsentiert.
Fazit:
Wer sich also diese DEFA-Produktion auch als eine Art lebendiges Zeitdokument in seine private Sammlung holen möchte, sollte jetzt unbedingt zugreifen.
18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
leidiges thema
Von Maik Herrmann
ein wunderbarer film, der locker 12 von 10 verdient hätte, aber die DVD auswertung kann da leider nicht mithalten. da hat man sich nun soviel mühe gegeben diesen film zu rekonstruieren über einen zeitraum von wer weiß wie lange tatsächlich und dann landet der film in billig übermaskiertem 1,78 auf der scheibe. wenn man schon unbedingt eine breitbild version erstellt, kann man dann nicht wenigstens das übermaskierte academyformat ein wenig pannen (stückchen rausskalieren, rauf, runter, links, rechts schieben, fertig), dass am ende wieder kompositorisch vernünftige und hübsche bilder entstehen? nein, ständig wird man mit unmöglich an- und abgeschnittenen figuren und kompositionen konfrontiert, die das filmvergnügen erheblich einschränken, weil man einfach bloß oben und unten eine maske draufgekracht hat. es ist schade um die mühevolle rekonstruktion, wenn die bilder hinterher wieder derart kaputt gemacht werden. und dabei es wär so einfach gewesen ... deshalb bloß drei sterne.
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
gelungene Komödie made in GDR
Von Thorsten Wirth
Daß dieser Film verboten wurde, ist eigentlich kaum nachvollziehbar. Zumindest diese entschärfte Fassung hätte in der DDR sicher keine Revolution ausgelöst.
Inhaltlich handelt es sich um eine nette Komödie mit allen Stars der DDR-Unterhaltung dieser Zeit. Bis in die Nebenrollen ist der Film hochkarätig besetzt und man sieht es den Akteuren förmlich an, daß sie mit Spaß und Freude dabei waren.
Der Polizist Holms, einer der besten der DDR, tut seinen Dienst in der Kleinstadt Wolkenhain, wo die ohnehin niedrige Kriminalitätsrate der DDR am niedrigsten ist. Holms träumt daher bei allen unpassenden Gelegenheiten von einem großen Fall. In diesen Traumszenen klärt er sogar mit Scotland Yard den Überfall auf die Bank von England auf!
Sein alter Freund Pinkas, ein natürlich ehrlich gewordener Gauner, kann das Trauerspiel nicht mehr mit ansehen - Holms bekommt sogar Depressionen und muß in psychologische Behandlung - und heuert ein paar alte Kumpane an, um mit einem fingierten Diebstahl seinem Freund endlich den Fall seines Lebens zu verschaffen.
Der Film spielt schön mit dem für die DDR-Sichtweise typischen Widerspruch, daß Verbrechen dem Sozialimus wesensfremd sind und daher aussterben müssen, Holms aber am Sinn seiner Tätigkeit zweifelt. Ein paar Spitzen und Anspielungen auf die Machtverhältnisse und den DDR-Alltag runden den Film ab, der von der Optik her exakt den Sehgewohnheiten der 60er Jahre entspricht und bis zur Musik den vergleichbaren Filmen aus westlicher Produktion gleicht.



